Vorwort

Es ist ein grandioses Naturschauspiel, an einem klaren Tag nach Sonnenuntergang im Osten den Erdschatten aufgehen zu sehen. In der Tat, auch heute noch mag dies auf einen unbedarften Beobachter bedrohlich wirken. Es ist nur zu verständlich, dass die Menschen in grauer Vorzeit die Nacht fürchteten. Der ganze Glaube an Dämonen und Gespenster mag daraus resultieren. Feuer war das erste Licht, das der Mensch zu seinem Schutz verwendete. Licht bedeutet dem Menschen Sicherheit im Dunkel der Nacht - auch heute noch.

Die Dunkelheit der Nacht hat aber auch andere Aspekte: Der Wechsel von Tag und Nacht ist uns von Natur aus gegeben, und auch der Mensch mit seinen Körperfunktionen unterliegt ihm. Aus biologischer Sicht braucht der Mensch, wie auch die Natur - unsere Umwelt - das Dunkel der Nacht. Immer mehr werden neue Beleuchtungen auch quasi auf freiem Feld installiert, um zweifelhaften Zwecken zu dienen. Wenn das schon sein muss, z.B. um bei einem Ausflugsgasthof den Gästen den Weg zu beleuchten, dann sollte dies mit besonderer Behutsamkeit getan werden. Durch die mitten ins Dunkel gepflanzten Lichter wird schließlich der Natur wieder ein Stück Nacht zerstört. Wenn schließlich nachtbeleuchtete Schipisten mit "besonderem Erlebnis - hier wird die Nacht zum Tag" werben, dann ist dies schon als krankhafter Auswuchs einer Wohlstandsgesellschaft zu bezeichnen. Eine Schipiste, die mit Beschneiungsanlagen ohnehin schon Unmengen an Wasser und Energie verschlingt, ist ein Stachel im Fleisch der sensiblen Bergwelt. Die energieintensive taghelle Beleuchtung belastet diese Region zusätzlich bis zur Schmerzgrenze. Die zunehmende Lichtbelastung wird langsam aber sicher zum Problem, wenn sie es nicht längst schon ist. Spätestens dann, wenn man sein Schlafzimmerfenster gegen die Immission eindringenden Lichts "verbarrikadieren" muss, um den erholsamen und notwendigen Schlaf zu finden, wird es einem bewusst...

Satelliten liefern uns Ansichten der Erde bei Nacht. Auf den dabei entstehenden Karten wird die Lichtverschmutzung als globales Problem sichtbar und begreifbar. Es gibt ein paar auffällige Zusammenhänge: Ballungsräume sind am ärgsten belastet, das ist klar. Dünn besiedelte Gebiete oder unbesiedelbare bis nahezu unbesiedelbare Gebiete (Bergregionen, Wüstengebiete, etc.) haben noch eine (weitgehend) intakte Nacht - auch klar. Auffällig ist, dass Lichtverschmutzung offensichtlich mit Wohlstand einhergeht. Die reichen, "zivilisierten" Länder haben bereits eine ziemliche massive Beeinträchtigung des Nachthimmels, hingegen gibt es in den ärmeren Ländern nur punktuelle und relativ kleine "Herde". Hierzulande sind es hingegen nur noch ein paar kleine "Inseln" im Meer der Lichter, wo die Nacht noch einigermaßen dunkel ist.

Fernab von künstlichen Lichtquellen glitzern in klaren, mondlosen Nächten Tausende Sterne am Himmel. Es ist ein faszinierender Anblick, die Milchstraße als schimmerndes und strukturiertes Band, das sich von Horizont zu Horizont zieht, zu sehen. Der Schatten der Erde ist unser Fenster, durch das wir ins Weltall blicken können. Der Sternenhimmel über unseren Köpfen ist als Naturerbe zu verstehen, als Teil unserer Umwelt. Die Beobachtung der Sterne hat eine lange Tradition. Dies ist als Kulturerbe zu begreifen, das es zu wahren und zu schützen gilt. In der zunehmenden Lichterflut aber "ertrinkt" das Sternenlicht regelrecht. Unser Fenster ins All wird blind. Dadurch wird astronomische Forschung behindert und erschwert, Amateurastronomen finden in ihrer näheren Umgebung kaum mehr brauchbare Beobachtungsbedingungen.

Neben all diesen vielleicht eher "abstrakt" wirkenden Problemen gibt es ein paar durch und durch profane Aspekte. Die Lichtverschmutzung hat ihre Ursache in ineffizienter Beleuchtung. Schlecht konstruierte Leuchten strahlen ihr Licht in breitem Winkel ab, und beleuchten mit einem Teil der eingesetzten Energie effektiv die Luft. Die Streuung dieses diffus abgestrahlten Lichtes an den Aerosolen (Schwebeteilchen in der Luft) trägt massiv zur Lichtverschmutzung bei. Aber auch gut konstruierte Leuchten können bei falschem Einsatz zur Lichtverschmutzung beitragen. Weil ein Teil des Lichtstroms durch die ineffiziente Beleuchtung verloren geht, muss eine stärkere Lichtquelle eingesetzt werden, um die gewünschte Beleuchtungsstärke herzustellen. Das kostet natürlich auch vermehrt Energie. Nach Einschätzung von Experten gehen 30% bis 40% an Energie durch ineffiziente Beleuchtung verloren! Hier gibt es also offenbar ein gewaltiges Einsparpotential für die Gemeinden und auch Gewerbebetriebe. Lichtverschmutzung ist also ein Umweltproblem in zweierlei Hinsicht, denn um die sinnlos vergeudete Energie bereit zu stellen, wird wiederum die Umwelt belastet. Etwas gegen die Lichtverschmutzung zu tun heißt also nicht nur Energie und damit Geld sparen, es ist auch Umweltschutz! 

Ein weiterer Aspekt ist die Blendung durch zu helle und schlecht abgeschirmte Beleuchtung. Das betrifft die Verkehrssicherheit massiv. Vielfach wird das Wort "Reizüberflutung" strapaziert. Dass die blendende Lichterflut zu einer Reizüberflutung führt, liegt auf der Hand. Meist bewirkt die Straßenbeleuchtung mehr Blendung als Ausleuchtung der Straße. Speziell in einer Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen sollte auch das Thema Blendungsvermeidung ein schlagendes Argument sein.

Nicht zuletzt gibt es das Thema Ortsbild. Jede Gemeinde hält etwas auf ein gepflegtes Ortsbild, man will sich schön und einladend präsentieren. Gilt das bei Nacht nicht? Die immer heller werdenden Lichtdome über den Ortschaften und Städten sind kein ästhetischer Anblick. Massiv störend wirken einzeln herausragende Lichtzacken und - strahlen, verursacht von gegen den Himmel gerichteter Beleuchtung, seien es Disco-Skybeamer, Werbebeleuchtungen von Einkaufs- und Gewerbezentren, Sporteinrichtungen oder sogar Beleuchtungen von Kirchen und historischen Bauwerken. Diese Beleuchtungen sind technisch stark verbesserungswürdig, und es fragt sich oft, für wen sie denn leuchten, vielfach die ganze Nacht hindurch. Es gibt doch Zeitschaltuhren, die z.B. ab 22 Uhr solche "Luxusbeleuchtung" abschalten kann. Abgesehen davon wäre oftmals etwas weniger Licht mehr... Prinzipiell könnte man von der Bühnenbeleuchtung in Theater und Oper etwas lernen, hier werden Bühne und einzelne Schauspieler beleuchtet, ohne das Publikum zu blenden und durch diffuses Streulicht den Zuschauerraum zu erhellen.

Was kann gegen Lichtverschmutzung unternommen werden? Der Einsatz von sparsamen Natriumdampflampen bringt bereits einen Kostenvorteil. Speziell die Natriumdampf-Niederdrucklampen mit ihrem monochromatisch gelben Licht sind sehr effizient und erzeugen eine romantisch anmutende Atmosphäre. Wenn das Licht dazu in dosierter Menge blendfrei eingesetzt wird, ist eine perfekte Beleuchtungssituation gegeben. Verkehrskritische Punkte wie Kreuzungen können mit etwas höherer Lichtstärke und Natriumdampf- Hochdrucklampen (die eine gute Farbwahrnehmung ermöglichen) bestückt werden. Jedoch macht allein der Einsatz von Natriumdampflampen noch lange keine gute Beleuchtung, solange auch dieses Licht durch ineffizienten Einsatz zur Lichtverschmutzung beiträgt. Blendfreie Ausführung ist in allen Fällen Grundvoraussetzung und anzustreben. Werbetafeln sind - wenn schon beleuchtet werden muss - von oben nach unten zu beleuchten. Anstatt eine Wand von unten anzustrahlen, gibt es die Möglichkeit mittels Wandflutern die Wand von oben herunter streulichtfrei und blendungsfrei zu beleuchten. Eines ist sicher: das Abschalten nicht benötigter Leuchten ist am besten. Das bringt den größten Einsparungseffekt und auch den größten Umweltschutzeffekt. 

Schließlich noch ein paar persönliche Anmerkungen mit Lokalbezug auf das Weinviertel. Als Amateurastronomen sind wir gewissermaßen "nachtaktiv". Wir kennen die Situation aus eigener Anschauung sehr gut. Der riesige Lichtdom von Wien dominiert den gesamten Südhimmel. Manchmal reicht die diffuse Himmelsaufhellung bis zur halben Zenithöhe hinauf. Fallweise bildet sich über Wien eine Wolkendecke aus, die dann grell beleuchtet erscheint, das Licht nach oben aber weitgehend abblockt. Die Städte und größeren Orte im Weinviertel sind in der Nacht aufgrund ihres Lichtdomes auch schon unübersehbar. Seit neuestem ist es modern geworden, jede Dorfkirche zu beleuchten, auch wenn sie - überspitzt formuliert - architektonisch dem Charme einer Schuhschachtel kaum nachsteht. Auch greift hier nun die Mode um sich, auf grüner Wiese außerhalb von Ortschaften Einkaufs- und Gewerbeparks zu bauen. Jede "Neuerung" in diese Richtung bringt ein weiteres, teilweise massives Lichtverschmutzungsproblem mit sich. Das muss nicht sein! Bei Wahl von korrekter und effizienter Beleuchtung, und Abschaltung nicht benötigter Lampen außerhalb der Betriebsstunden wäre kein Einwand dagegen zu bringen. So aber, wenn die Lichtdome dieser Einrichtungen greller und heller sind als die der Ortschaften, muss man sich wirklich fragen, ob da etwas schief läuft: Auf der einen Seite wird massiv Strom verprasst, auf der anderen Seite pflastert man das Weinviertel mit Windrädern zu. Es ist nichts gegen alternative Energiegewinnung zu sagen, wenn im Gegenzug der Wille zur Vermeidung von Energieverschwendung erkenntlich ist. Schließlich zahlen wir Bürger die Zeche: wir zahlen mit unseren Gebühren die Energieverschwendung durch ineffiziente Straßenbeleuchtung, wir zahlen mit den Kaufpreisen der Waren die Energieverschwendung durch Gewerbebetriebe und Einkaufszentren, wir zahlen "Ökozuschlag" damit man Windräder bauen und betreiben kann, schlicht gesagt, wir zahlen die Energie, die verprasst wird, und wir zahlen nochmals dafür dass sie möglichst teuer dafür erzeugt wird. Es ist unser aller Geld, dieses Thema kann uns nicht egal sein!

Das Weinviertel ist in in Hinsicht auf die Lichtverschmutzung ein äußerst sensibles Gebiet. Bei uns gibt es selten wirklich tiefblauen Himmel. Eigentlich nur direkt nach Durchzug einer Kaltfront, wenn es aufklart. Tiefblauer Himmel ist ein Zeichen für eine klare, saubere Luft. Vielfach ist der Himmel hier hellblau, blaugrau bis weißlich. Es gibt im Weinviertel viel lehmhaltige Böden, und durch die intensiven landwirtschaftlichen Nutzung viel "blanke" Erde. Bei Trockenheit trägt der Wind die Erde als Staub davon. Je größer die Aerosole in der Luft sind, desto mehr mischen sich die Farben des gestreuten Sonnenlichtes, was zu dem eben beschriebenen milchigen Himmel führt. -   In klarer Luft verpufft das diffus gestreute Licht nächtlicher Beleuchtung eher, der "Schaden" ist nicht so groß. Ist jedoch die Luft voll mit Aerosolen, wird die Lichtverschmutzung durch die stärkere Streuung des Lichts massiv. --- Das mit dem Staub, kennen wir auch aus eigener Anschauung. Er lagert sich auch auf unseren Teleskop-Optiken als "Sternenstaub" ab. Und wir wissen auch, dass das Weinviertel ein Vogelzug Gebiet ist. Das "ga-ga-ga" über unseren Köpfen ist bei der nächtlichen Himmelsbeobachtung schon zu einem vertrauten Geräusch geworden...

Diese Lightpollution Bildergalerie will das Problem der Lichtverschmutzung anschaulich darstellen. Erst "überbelichtete" Nachtaufnahmen zeigen oft deutlich an, wohin das Licht strahlt, und wie viel davon verloren geht. Was können wir am ehesten Erreichen? Abschalten von nicht benötigten Beleuchtungseinrichtungen ab einer gewissen Zeit. Dies bringt wenigstens zu späterer Nachtstunde eine Besserung der Situation. Durch Aufzeigen der Problematik können wir auch erreichen, dass zukünftig errichtete Beleuchtungseinrichtungen korrekt ausgeführt und betrieben werden, neue, wie auch solche, die erneuert werden. Lichtverschmutzung ist ein Umweltproblem. Unsere Umwelt endet nicht zwei Stunden nach Sonnenuntergang und zwei Meter über unseren Köpfen.

#owdii


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