Beobachtungsbericht vom 8. bis 18. Maerz: Ikeya-Zhang, Mini-Messier-Marathon u.a. ================================================================================= Ein neuer Komet hat mich aus meinem astronomischen Winterschlaf gerissen! Lang ist's her, seit dem letzten Bericht vom Kometen LINEAR WM1, am 9. Dezember des Vorjahres. Nun, so ganz ohne Astronomie ist die Zeit auch wieder nicht verlaufen. Meine neue ST-7E CCD Kamera hat die ersten Tests positiv absolviert, Bilder vom 30. Dezember und 5. Jaenner sind auf Walters Homepage zu finden. Und sonst, im neuen Jahr? Flaute? Nun, die Arbeit hatte mich fest im Griff, so konnte ich die wenigen Beobachtungschancen, die sich meist sehr kurzfristig ergaben, nicht nutzen. Das Wetter war ja wirklich nicht gar so toll. Zumindest gab es im Februar oefter als Entschaedigung sehr klare Fernsicht. Da konnte ich bei meiner taeglichen Fahrt in die Arbeit weit in die niederoesterreichische Bergwelt sehen! Von der Buckligen Welt bis zum Hochwechsel ueber Schneeberg und Schneealpe bis zum Oetscher reichte der Blick! Phantastisch, kann ich nur sagen, das gibt es nicht sehr oft zu sehen! Und dann kam es zu einer eher gluecklichen Konstellation: Ein "neuer", recht heller und fescher Komet am Abendhimmel, ein paar Tage mit Spechtlwetter am Stueck, und gluecklicherweise hatte ich auch in der Arbeit gerade etwas "Luft". Was will man mehr, so etwas lockt auch den Howdii wieder in die Nacht hinaus :-) Der "neue" Komet heisst mit vollem Namen C/2002 C1 Ikeya-Zhang, und ist schnell unser Liebling geworden. Walter hatte ihn schon aufgespuert, meine erste Chance kam am 8. Maerz. Ein wunderschoener Tag mit blauem Himmel, aber wie so oft, gegen Abend verunzierten Schleierwolken den Himmel, und es wurden immer mehr. Das Satellitenbild verhiess auch nichts gutes, wir zweifelten schon an unserer Chance, ein CCD Bild vom Kometn "schiessen" zu koennen. In der fruehen Abenddaemmerung begann unser Abenteuer auf den Feldern oestlich von Niederleis. Die Wolken am Westhorizont leuchteten in einem intensiven Rot, ein packender Anblick, nur dem Sterngucker ist dabei nicht so wohl... Doch es kam anders, die Wolken loesten sich allesamt auf, und es wurde eine wirklich passable Nacht, mit knapp ueber 5 mag Grenzgroesse. Ausser im Feldstecher oder Sucher habe ich den Kometen an diesem Abend nicht gesehen, aber mit der CCD Kamera im Fokussierer von Walters TMB APO haben wir Bilder gezogen, bis zum harten Anschlag, bis zum Horizont! So etwas geht halt auch nur, wenn es so klare Luft gibt, wie an diesem Tag. Nebst dem Kometen saugten wir natuerlich auch noch Photonen von anderen Objekten auf. Zu bewundern gibt es mittlerweile CCD Bilder vom Kometen, NGC3628, NGC2903 und NGC2359. Da wir den "Stromraeuber" CCD ueber einen Umwandler an der Fahrzeugbatterie betreiben mussten (wechselweise an Walters und meinem Auto) und auch das Notebook von meiner Autobatterie gespeist wurde, machten wir bald nach Mitternacht Schluss. Unsere Fahrzeuge liessen sich aber gottlob problemlos starten. Naja, wenigstens im Handy haetten wir Saft genug gehabt, um den Pannendienst anzufordern, und, ach ja, wenn wir wenigstens ein Auto starten haetten koennen, ich haett' sogar Starterkabel dabeigehabt :-) Nach den schoenen CCD Bildern wollte ich natuerlich den Kometen auch visuell sehen. Am 9. Maerz versuchte Walter sein fotografisches Glueck auf der Sopienalpe, ich mein visuelles auf dem Waisenhausberg bei Mistelbach. Diesmal spielten mir die Wolken einen Streich. Je spaeter es wurde, desto mehr zog der Himmel zu. Ich erwischte schliesslich den Kometen per Koordinaten in einem schmalen Spalt zwischen den Wolken, natuerlich nur mehr als verwaschenes Fleckerl. Am Abend des 10. trafen wir, Walter und ich, uns wieder auf den Feldern bei Niederleis. Heiliger Bimbam, am Horizont war noch maechtig und gross der Oetscher zu erkennen - warum kann es nicht immer so sein? Walter brachte seine fotografische "Flak-Batterie" in Stellung, und ich nahm den Kometen einstweilen mit meinem 5.7" f/6 Maksutov-Newton ins Visier. Am noch sehr hellen Himmel hatte ich den Kometen ueber Koordinaten bald aufgespuert, aber fuer eine Beobachtung gab das noch nichts her. So suchte ich mir eine andere Herausforderung, den Messiermarathonern sicher bekannt: M74 und M77. Ein paar Zielversuche ueber Koordinaten goennte ich mir schon, sowie ausgiebige Vergleiche von Sucher und Okularbild mit der Aufsuchkarte im "Karkoschka". Walter, der meine Bemuehungen nebenbei mitverfolgte, meinte nur, bei einem Messier-Marathon muss das viel schneller gehen... :-) Nun, sobald ich die Stelle, wo M74 sein soll, exakt lokalisiert hatte, war da auch schon ein verdaechtiges Nebelflecker im Okular (bei 40x). Ich steigerte die Vergroesserung stufenweise bis 116x, bis beste Erkennung erreicht war. Kein Zweifel: got it! Aehm, was steht da im Karkoschka? Schwieriges Objekt, besonders bei aufgehelltem Himmel, kleinste Vergroesserung... ??? Ersteres wuerd' ich unterschreiben, letzteres nicht :-) Oh, und M77? Sch...otterhaufn, fix, der steht aber wirklich schon recht tief... Es ist zwar merklich dunkler geworden, aber jetzt ist Eile geboten! Nun, ich zielte wiederum per Koordinaten hin, die ersten beide Male wohl etwas zu ungenau, aber beim dritten Versuch hatte ich das Ding. Got ya! Und war gar nicht so schwer. Damit waren meine Marathon Ambitionen vorerst erschoepft. Ich widmete mich dem Kometen. Der machte z.B. im Feldstecher schon maechtig was her! Ahja, die von den Fotos und CCD Bildern bekannten Strahen im Schweif waren auch im Teleskop visuell zu erkennen! Direkt an der Koma zweigten einige kurze Strahlen in etwas steilerem Winkel ab. Ich meinte, das sieht wie ein "Bart" aus... (dieses Detail war nur an diesem Tag beobachtbar). Der Schweif konnte gut zwei Grad lang im Okular verfolgt werden, vielleicht sogar noch etwas mehr. Bei hoeherer Vergroesserung zeigte sich der engste Kernbereich eher als dicklicher Knoedel (175x). Das Seeing spielte nicht sooo fein mit, die Sterne tanzten allesamt etwas herum... Ich blieb am Kometen drauf, bis er so tief stand, dass die Beobachtung ihren Reiz verlor. Nun setzte ich fort mit Deep Sky Beobachtung. Die zuletzt auf CCD gebannten Galaxien, NGC2903 und NGC3628, z.B., oder der Rosetten-Nebel, waren meine Ziele. Dann schweiften meine Blicke zum Orionnebel. Frech vermeldete ich die Beobachtung eines Messier-Objektes :-) Doch Walter verwies mich gleich wieder auf den Marathon, die schwachen Fuzln im Horizontdunst sollte ich lieber suchen, M42 schaun kann ja jeder ;-) Oops, ja, aehm, fehlt eigentlich - naja, M79. Oh, so tief steht der doch gar nicht. Ein Blick in den Karkoschka, einmal scharf anvisiert im Sucher, zapp, und da war er schon. Tja, und von da an war wohl das Feuer entfacht :-) Ich "zappte" gleich mit offenen Klemmen an der Monterung weiter, von einem zum anderen Objekt, kunterbunt ueber den Himmel: M43, M78, M31/M32/NGC205, M33 war ein bissi schwierig, aber nicht wirklich, dann M34, M35, M36, M37, M38, M1, M45, M103, M50, M46, M47, M93, M44, M67, M48, M95, M96, M105, M65, M66. M81 erwischte ich noch im Sucher, das Teleskop stand aber gerade an einem Stativbein an, zu einem Blick im Okular reichte es nicht mehr. Nun? Wo ist der Stress? Locker habe ich den halben Himmel an M-Objekte in kurzer Zeit abgeklappert :-) Jetz haette man schon mit dem Virgo-Haufen beginnen koennen, aber es war Mitternacht, und der naechste Arbeitstag wartete... Also Ende der Aktion, wenn es das Wetter zuliesse, wollten wir einen Messier Marathon am Wochenende durchziehen. Nur, es sollte anders kommen... Am 11. Maerz quaelte ich mich durch den dichten Stadtverkehr auf die Sopienalpe, zum Kometenschaun. Freilich traf man dort auch schon jede Menge anderer Kometenspechtler, darunter etliche Bekannte. Die Sicht war leider nicht mehr so toll, es war dunstiger geworden, aber das Seeing spielte in einzelnen Momenten wenigstens mit. Ich konnte bei 116x in dem dicklichen Knoedel in der inneren Koma noch fallweise ein kleines, eher sternfoermiges "Bemmerl" erkennen. Ein paar Strahlen im Schweif, und mit etwas Muehe ein etwa 2 Grad langer Schweif im Okular. Als Teleskop diente wiederum mein 5.7" f/6 Maksutov-Newton. Saturn und Jupiter konnten an diesem Abend auch noch ein paar bessere Blicke abgerungen werden, das Seeing war zwar generell eher mies, aber es gab, wie gesagt, ein paar brauchbare Momente. Am 12. Maerz musste ich den Kometen arbeitsbedingt vernachlaessigen. Erst am 13. Maerz schaffte ich wieder eine Beobachtung, bei noch dunstigerem Wetter, im Marchfeld, ein Stueck ausserhalb von Seyring. Es gibt davon nichts besonderes zu berichten, der Komet bot den bereits vertrauten Anblick. Nachster Versuch am 14. Maerz, ausserhalb von Niederkreuzstetten im Weinviertel. Bei noch dunstigerem Wetter, vor herannahender Front, musste ich zudem noch die Lichtglocke von Niederkreuzstetten in Kauf nehmen. Die Wolken liessen mir auch nur mehr wenig Zeit fuer den Kometen, dann schwappten sie drueber. Im Zenitraum konnte ich noch ein bissl herumstochern, nun, man erfreut sich halt ab und zu auch an Dingen wie M37 und M36 und NGC1931... Oh, bevor ich es vergesse, freilich hatte ich auch Jupiter im Blick: Der GRF war gerade auf seinem Weg zum Zentralmeridian, und knapp hatte ich das Transitende von Mond II (Europa) verpasst. Den Schatten des Mondes konnte ich zumindest in den besten Seeingmomenten (die eher rar waren) erhaschen. Das Wetter liess am 18. Maerz die bislang letzte Beobachtung des Kometen zu. Walter machte wiederum fotografisch Jagd, ich visuell. Der Himmel war bis etwa 20 Grad Hoehe sehr dunstig, dementsprechend maessig toll war auch der Anblick des Kometen im Teleskop. Ja, ein paar Strahlen waren im Schweif zu erkennen, sonst aber nicht viel mehr an Detail, das Seeing war in Horizontnaehe aber wirklich grausamst. Zu meiner Verwunderung gab es spaeter doch ein paar sehenswerte Jupiter- und Saturnblicke. Mehr als 175x war der Situation zwar nicht zuzumuten, aber dabei lieferte mein kleiner 5.7" f/6 Maksutov-Newton etliche Male huebsch scharfe Bilder. Fix, diese Momente sollte man sammeln und sparen koennen, und dann auf einmal ausgeben :-) Kann sich das jemand vorstellen, mit einer guten Optik 5 Minuten Jupiter glasklar? Das waer' halt eine Wucht, dafuer taet ich sogar den 18" Dob rausschleppen :-) So, und seither blieben alle Versuche, den Kometen wieder zu Gesicht zu bekommen, vergeblich. Klar, dass das Wetter just zum Zeitpunkt der wohl groessten Helligkeit des Kometen nachhaltig schlecht werden musste... Egal wie, den besten visuelle Eindruck hatten wir am 10. Maerz. Solange der Komet so tief am Horizont "entlangschlurft", wird er ein leichtes Opfer von schlechten Sichtbedingungen bleiben. #owdii