Beobachtungsbericht 28. bis 31. 3. 2002, Niederleis =================================================== Rechtzeitig zum kommenden Osterwochenende hat sich doch wieder schoenes Wetter eingestellt. Unter noch etwas beeintraechtigten Bedingungen konnten Walter und ich den Kometen Ikeya-Zhang am Gruendonnerstag (28. 3.) erneut beobachten. Horizontnah war es sehr dunstig, und der Vollmond tat noch sein Uebriges, um die Sichtbedingungen weiter zu verschlechtern. Mit etwa 3 Grad Celsius war es recht frisch, ein kuehler Wind aus Nordost machte die Sache nicht gerade gemuetlicher. Der Komet ist jedenfalls zur Zeit hell genug, um selbst duch den argen Horizontdunst durchzukommen. Freilich, im Feldstecher oder Fernrohrsucher war nur ein diffuser "Knoedel" mit einem kurzen Schweifansatz zu erkennen. Im 5.7" f/6 Maksutov-Newton konnte man den Schweif bei 40x wenigstens mit etwas Muehe ca. 1.5 Grad lang verfolgen. Zumindest ein heller Strahl fiel auf. Bei 175x zeigte sich die innere Koma ziemlich gleichmaessig hell, mit einem wohldefinierten, etwas dicken "Kern". Der Schweif faecherte von der Koma ausgehend relativ breit auf, und etwa mittig war der hellerer Strahl erkennbar. Freisichtig war der Komet an diesem Abend nicht zu schaffen. Walter konnte ein paar Fotos "schiessen", man wird sehen, was darauf an Detail zum Vorschein kommt. Zwischendurch erregte ein venushelles Ding am Nordhimmel meine Aufmerksam- keit - ein Iridium-Flare. Vom Nordosten zogen schliesslich immer mehr Wolkenschleier herein. Wir goennten uns noch einen Blick auf Jupiter (eine geschlossene Girlande vom NEB aus in die EZ war sehr auffaellig, bei 145x und 175x) und Saturn (inklusiv der Monde Titan, Rhea, Dione und Tethys), bevor wir die Beobachtung beendeten. Am Karfreitag (29. 3.) praesentierte sich der Himmel makellos blau, ohne Wolken und mit weit weniger Dunst. Es gelang mir, meine Familie zum Kometenschauen einzuladen. In der fruehen Daemmerung trafen wir am Beobachtungsplatz bei Niederleis ein. Die Venus glaenzte am Westhimmel, es war windstill, mit etwa 7 Grad (fallend) noch relativ mild, einfach ein herrlicher Abend. Bis es einigermassen dunkel geworden war, war der Mond natuerlich auch schon aufgegangen. Jedoch konnte ich 4 mag Sterne in der Polregion noch relativ leicht sehen, am vorigen Abend war dies nur mit Muehe moeglich gewesen. Kurz gesagt, die beste Kometenbeobachtung seit dem 10. Maerz wartete... Der Komet war relativ leicht mit freiem Auge unweit von Mirach (Beta And) zu entdecken. Im 7x50 Glas eine Wucht: Der Schweif gut und gern 3.5 Grad lang! Im Teleskop, meinem 5.7" f/6 Maksutov-Newton bei 40x sehr hell, der "Kern" in der inneren Koma bereits blickweise zu erkennen, und der Schweif zog sich quer durch das 1.7 Grad Gesichtsfeld! Wenn ich mich recht erinnere, waren auch wieder etliche Strahlen im Schweif zu sehen, doch ich ueberliess das Teleskop die meiste Zeit meinen Leuten. Nachdem das Seeing selbst bei der Beobachtung des doch recht tief stehenden Kometen recht gut war, versprach ich mir auch brauchbare Planetenbilder - und wurde nicht enttaeuscht. Saturn stand bei 175x zeitweise messerscharf da, garniert mit seinen Monden Titan, Rhea, Tethys und Dione, dass selbst meine Schwester, die nur sehr selten mit mir mitspechtelt, auf Anhieb die Cassini-Teilung, den C-Ring, das Wolkenband und die dunklere Polregion auf der Saturnkugel erkennen konnte. Auch Jupiter konnte gefallen. Am Nordrand des NEB war ein sehr dunkler laenglicher Fleck, ein Barren, zu erkennen, den ich im ersten Moment fast fuer den Schatten eines Mondes hielt. Ueberhaupt entzueckte der Anblick von Jupiter mit delikaten Farben. Waehrend sich meine Leute, ihnen war mitterweile doch kalt geworden, auf den Heimweg machten, ergoetzte ich mich noch eine Weile an Saturn und Jupiter, bevor auch ich die Beobachtung beendete. Waere es eine mondlose Nacht gewesen, haette ich allerdings nicht so schnell Schluss gemacht... Am Karsamstag (30. 3.) war wieder eine kleine CCD "Session" angesagt. Die Bedingungen waren nicht ganz so gut wie am Vorabend, es war etwas dunstiger. Waehrend wir dem Kometen mit Walters 105mm f/6.2 APO und CCD Kamera zuleibe rueckten, traf eine kleine Besucherdelegation ein: Walters Eltern, ein Niederleiser Sternfreund und dessen Gattin waren zu Fuss vom Ort herauf spatziert. Demgemaess wuerdigte ich selbst den Kometen in meinem 5.7" Maksutov-Newton kaum eines Blickes, das Gucken ueberliessen wir mehr unseren Gaesten. Die delektierten sich anschliessend noch an Jupiter, Saturn und dem Orionnebel. Der Komet war uebrigens wieder recht leicht freisichtig auszumachen, knapp bei Mirach, quasi ein "Doppelobjekt". Die ersten CCD Bilder, die wir gewinnen konnten, als der Komet noch relativ hoch stand, waren bei nur 25 Sekunden Belichtgungszeit sehr eindrucksvoll: Da stand ein "Prachtpruegel" von Komet, mit etlichen Strahlen im Schweif. Leider spielte uns die Steuersoftware uebel mit, und so sank der Komet immer tiefer. Die spaet angefertigten Einzelbilder waren dann mit 25 Sekunden Belichtung recht "verrauscht" - ein Tribut an den argen Dunst, schliesslich konnte man den Komet zu dieser Zeit auch im Fernglas nicht mehr erkennen. Walter hatte noch nicht genug, so nahmen wir per CCD Jupiter ins Visier. Nun, bei so-so Seeing war wenigstens eine Aufnahme aus mehreren Serien brauchbar. Die weiteren eventuell noch brauchbaren Bilder lagen zeitlich leider schon zu weit auseinander, so konnte kein Komposit angefertigt werden. Immerhin, das sichtbare Detail zeigt die auffaellige, geschlossene Girlande, die ich am Gruendonnerstag visuell schon beobachtet hatte. Och ja, Lust auf weitere Abenteuer haetten wir wohl noch gehabt, aber die Pflicht rief Walter heim, und so beendeten wir die Beobachtung. Fuer den Ostersonntag waren Gaeste aus dem Burgenland angesagt: Juergen Stoeger mit seinem neuen MN66 auf EQ6-Montierung, und Viktor Wlaschitz als Begleitung, mit TeleVue Ranger. Am fruehen Nachmittag, oh Schreck, war auf einmal der Himmel fast zugezogen. Das Satellitenbild zeigte ein schmales Nord-Sued gerichtetes Wolkenband ueber Oesterreich. Wir spekulierten, dass dieses Band bis zur fruehen Nacht "durch" sein muesste, und trafen uns oben auf den Feldern. Hmmm, am Westhorizont war bereits ein schmaler Schlitz frei, aber sonst war der Himmel ziemlich dicht. Ueberkopf schimmerten wenigstens Jupiter, Capella, Castor und Pollux durch die Wolken. Unverzagt bauten wir die Geraete auf, schliesslich kommt unverhofft oft. Und freilich, war doch das Match Intes Micro MN66 gegen Ceravolo HD145 angesagt... Wir wurden von der Jupiter "Prime Time" nicht enttaeuscht! Gleich nach Aufbau unserer Teleskope war der GRF fast exakt am Zentralmeridian, das Seeing erwies sich als gar nicht uebel! So konnten wir gleich unterhalb vom GRF zwei vom NEB ausgehende Fahnen erkennen, spaeter noch eine dritte, die gerade heraufrotierte. Zwischendurch gab es den Bedeckungsbeginn von Ganymed zu beobachten, knapp vor Ende der Beobachtung noch den Transitbeginn von Io. Und dazwischen, als der GRF schon laengst wieder verschwunden war, erregte ein dunkler, roetlich-brauner, laenglicher Fleck am Nordrand des NEB unsere Aufmerksamkeit. Auffallend vor allem, dass das NEB folgend ab diesem Barren schmaeler erschien. Durch die Wolken hindurch war das Licht des Planeten gedaempft, keine Blendung, was eigentlich sehr angenehm ist. Nur manchmal haette ich gerne etwas heller gedreht... Die meiste Zeit beobachteten wir bei 175x am HD145, und 180x am MN66. Bei knapp 220x am HD145 war das Bild schon fast zu dunkel. Und das Match? Die beiden Teleskope zeigten fast gleichwertige Bilder. Im HD145 waren die Baender am Planeten einen Deut dunkler, an Detailerkennung war der MN66 aber kaum hinten nach. Der Startest an Pollux zeigte den MN66 gut justiert, waehrend mein HD145 durch die dreiwoechige Herumschlepperei im Auto schon gelitten hatte, und eine deutlich merkbare Dejustierung aufwies. Ich kenne dieses Rohr aber lange genug, um zu wissen, dass ihm dies kaum Performance kostet. Weitere Details aus dem Startest gibt es hier nicht, zumal bei etwas weiterer Defokussierung das Licht schon substantiell schwach war. Und die viel diskutierte und belaesterte EQ6? Fuer rein visuellen Betrieb tadellos. Ich kenn' ja schliesslich auch meine G11... Ein kurzes Antippen des HD145 auf SP-DX brauchte etwa 4 Sekunden, bei relativ kleiner Amplitude, zum Ausschwingen. Der selbe Test am MN66 auf EQ6 zeigte eine groessere Amplitude, aber nach knapp mehr als 2 Sekunden war das Bild wieder ruhig. Die Achsen gehen butterweich, die Nachfuehrung schnurrt leise, und haelt das Objekt sauber - kurz, was visuelle Beobachtung angeht, tut es die E6 allemal. Ein fotografischer Test wird folgen. Tief am Westhimmel, voll in der Dunstsuppe, konnten wir noch den Kometen unweit von Mirach aufspueren, als gerade im Teleskop noch wahrnehmbares Fleckerl. Und freilich, als wir ans Einpacken dachten, war ploetzlich der Westhimmel frei, so konnten wir einem Blick auf Saturn auch nicht mehr widerstehen. Saturn stand aber doch schon recht tief, daher war die Sicht etwas beeintraechtig. Fuer Cassini-Teilung und C-Ring reichte es dennoch. Eine weitere dunstige und wolkendurchwachsene Beobachtung haette ich am Ostermontag haben koennen, doch ich beliess es beim Justieren meines HD145 und der Kontrolle am Sonnenreflex in Nachbars Rosenkugeln :-) #owdii