Beobachtungsbericht vom 1.4.2001, Mistelbach ============================================ Am Morgen des 30. Maerz waere Venus in unterer Konjunktion ein interessantes Objekt gewesen. Hier im Osten Oesterreichs war wetterbedingt keine Beobachtung moeglich. Am 31. lockerten schliesslich die Wolken tagsueber auf, und es gab seit laengerem wieder eine klare Nacht. Die Wetterprognose fuer den 1.4. war ebenfalls guenstig, so rechnete ich mir eine Chance auf eine Morgenbeobachtung oder zumindest Tagesbeobachtung aus. Aufgrund des dunstig-milchigen Nachthimmels rechnete fuer den Morgen zumindest mit Behinderung durch starken Horizontdunst, wenn nicht Schlimmeres. Tatsaechlich begann der 1.4. mit dichtem Bodennebel... Die Sonne brauchte bis gegen Mittag, bis sich der Nebel weitgehend aufgeloest hatte. Der Himmel war aber immer noch von genug Wolkenschleiern ueberzogen, und zeigte nur eine blassblaue Faerbung. Erst um 15:00 gab es nur mehr vereinzelt ein paar Schleier. Nun wollte ich einen Versuch wagen, die Venus am Tag aufzusuchen. Ich waehlte dazu mein best streulichtgeschuetztes Teleskop, den 8" f/6 Maksutov-Newton. Die Poljustierung erfolgte gerade mal schaetzungsweise, allerdings kenne ich daheim die Nordrichtung sehr gut. Die Sonne peilte ich bei abgedeckter Optik ueber den Schattenwurf des Teleskops an, und versuchte von dort aus ueber Differenzkoordinaten zur Venus zu gelangen (Zeit: 15:15). Erst einmal musste ich mit an den grausam hellen Himmel gewoehnen. Das zweite Problem war, den Fokus halbwegs zu finden. Dabei halfen aber einige drueberziehende Wolkenschleier sowie anderweitig hoch in der Luft herumfliegendes Zeug. Durch diesen Verzug war ich ohne Nachfuehrung natuerlich schon weit daneben, und musste den Peilversuch wiederholen. Wie ich wieder durchs Okular blickte, konnte ich sehen, dass ich exakt den hohen Tannenbaum in Nachbars Garten anvisiert hatte. Ein weiterer Zielversuch, um Irrtuemer auszuschliessen, bestaetigte die missliche Lage. Bevor ich mich noch gruendlich zu aerngern begann, nutzte ich diese Zwangspause gleich einmal, um die Nachfuehrung zu aktivieren. Bei nun laufender Nachfuehrung setzte ich den vorerst letzten Peilversuch, und deckte die Optik anschliessend zu. Jetzt musste ich halt einfach warten, bis die Venus hinter dem Baum hervorkommen wuerde - dafuer konnte ich aber rechnen, dass mir der Baum spaeter die Sonne abschatten wuerde. Mittlerweile zielte mein Teleskop schon fast am Baum vorbei, ein paar Zweige ragten noch ins Bild. Es war nun allerdings Eile geboten, denn die Venus wuerde bald am Garagendach "untergehen". Beim Blick durchs Okular ruckelte ich den Tubus ein bisserl in RA, und schwupp, da war die Venus (16:15)! Eine silbrig glaenzende, ganz schmale Sichel. Nun versuchte ich einmal die Vergroesserung zu steigern. Seeingbedingt (das aufgeheizte Garagendach machte sich schon bemerkbar...) war mehr als 80x nicht zu wollen. Dem unangenehm hellen Himmelshintergrund rueckte ich mit Gelbfilter (besserer Kontrast) und Hellblaufilter (natuerlicherer Eindruck) zu Leibe. In den besseren Seeingmomenten konnte ich die Sichelspitzen etwas weiter uebergreifen sehen, als es der geometrischen Beleuchtungssituation entsprechen wuerde. Die Sonne war nun selbst hinter dem Baum verschwunden, so war es direkt angenehm, ohne seitliche Blendung zu beobachten, jedoch machte sich alsbald das Garagendach als "Vignettierung" bemerkbar, und um 16:40 war Schluss mit lustig. Weil er grad so schoen hoch am Himmel stand, der Viertelmond, riskierte ich noch eine Blick bei Tag, und zum erstenmal habe ich den Mond nicht zu hell empfunden. :-) Howdii