Beobachtungen des Kometen C/1999 S4 (LINEAR) im Juli 2000 Walters Bericht vom 22./23.7.2000 --------------------------------- In den letzten beiden Juliwochen nahm ich an der ESA-Sommerschule in Alpbach/Tirol teil und hatte natürlich ein Teleskop, den 4" APO, mit dabei. Leider war das Wetter die meiste Zeit hindurch eher mäßig und ließ nächtliche Beobachtungen nicht zu, lediglich am Samstag, den 22.7., stellte sich sonniges Wetter bei wolkenlosem Himmel und guter Fernsicht ein. Tagsüber war ich auf den Bergen wandern, am späten Nachmittag machte ich mich dann auf die Suche nach einem geeigneten Beobachtungsplatz für die Nacht. Fündig wurde ich am 1336m hohen Reither Kogel über der Westseite des Alpbachtales gleich beim Taleingang. Der Berg hat oben eine flache Kuppe mit freier Rundumsicht in fast alle Richtungen, eine Straße und ein Sessellift führen hinauf zu einem Gasthof. Auf der geschotterten Zufahrt der Lift-Bergstation haben ein Kollege und ich das Teleskop dann am Abend aufgestellt. Das Licht von den Ortschaften unten im Inntal wird vom den Kogel umgebenden Wald recht gut abgeschirmt, direktes Licht gab's nur von Alpbach, und das war harmlos. Einige hohe Cirruswolken haben sich leider die ganze Nacht hindurch am Himmel gehalten, aber nur wenig Himmelsfläche bedeckt. Primäres Beobachtungsobjekt war natürlich der Komet LINEAR S4, der am 23.7. seine größte Erdnähe erreichte. Den Kometen haben wir auf Anhieb im 15x80 Fernglas gefunden, mit freiem Auge war er nicht sichtbar. Im 4" APO zeigte er bei 30x eine diffuse, nach NO hin weit aufgefächerte offene Koma, mit einem punktförmigen asymmetrisch überlagerten Kerngebiet. Weiters waren ein stark gebündelter 2-3 Grad langen Plasmaschweif nach NO und einen breit aufgefächerten Staubschweif, der nur ca. 20 Bogenminuten lang war und leicht nach N hin vom Plasmaschweif wegbog, zu sehen. Die beste Detailwahrnehmung wurde bei 72x erreicht, bei der Vergrößerung war der in Horizontnähe doch recht aufgehellte Himmel ausreichend dunkel. Eine Steigerung der Vergrösserung bis 148x zeigte, daß das innere Gebiet der Koma doch nicht so punktförmig war wie bei niedriger Vergroesserung angenommen, es erschien etwas diffuser. Das kann aber auch durch das in Horizontnähe schlechtere Seeing vorgetäuscht worden sein. Von den beiden Schweifen war bei der Vergroesserung allerdings nur mehr wenig zu sehen. Ich habe den Kometen dann 30 Minuten im Primärfokus fotografiert, der Autoguider hat dabei bei 3s Integrationszeit problemlos den Kometenkern im Leitrohr nachführen können. Nach der Aufnahme war der Komet immer noch mittig im Leitrohr-Gesichtsfeld, was bewies, daß der Autoguider tatsächlich den Kometenkern und nicht etwa einen Stern nachgeführt hat. Nach dem Foto und ein wenig weiterer visueller Beobachtung des Kometen habe ich dann für meinen Kollegen die üblichen Paradeobjekte der Sommermilchstraße eingestellt: M22, M8, M20, M24, M17, M16, Albireo, NGC 7789, M31. Allerdings war der Himmel etwas aufgehellt - 5.5 mag Grenzgröße nur - und die Cirren und der frühe Mondaufgang um 0:30 haben uns bald zusammenpacken lassen. Walter. Howdiis Beobachtungsbericht vom 22./25.7.2000 --------------------------------------------- Am 22. Juli sah das Wetter nicht ganz hoffnungslos aus, aber gegen Abend zog es immer mehr zu. Gegen 23 Uhr fuhr ich einen Sprung von daheim aus auf den Waisenhausberg bei Mistelbach, um die Wettersituation zu erkunden. Sicherheitshalber hatte ich den 7x50 Feldstecher mitgenommen. Nun, im Zenitraum zwar recht guter Himmel, aber sonst überall Wolken, und am Westhorizont Wetterleuchten. Nach einiger Zeit gab eine Wolkenluecke den Blick nach Norden einigermassen frei. Sofort visierte ich den Kometen an, und da war er auch schon, deutlich als länglicher Nebelfleck zu erkennen, Schweif nach oben gerichtet, und im Kopf ein hellerer "Kern". Ein Weilchen guckte ich so im Feldstecher, dueste dann aber gleich heim, um mit meinem 5.7" f/6 Maksutov-Newton wiederzukehren. Meine Wolkenluecke von vorhin zog gerade im Osten davon. In der Hoffnung auf eine weitere baute ich das Teleskop auf. Aber das Wetterglueck war mir nicht mehr hold. Nachdem schliesslich der ganze Himmel zu war, und ichmich von Wetterleuchten umzingelt sah, gab ich meinen Beobachtungsposten auf, zumal auch der Mond schon aufgegangen war. Die nächste Chance auf einen Kometenblick gab es erst wieder am 25. Juli. Endlich zeichnete sich eine klare Nacht ab, wiewohl mit durchziehenden Wolkenfeldern zu rechnen war. Bis ich von der Arbeit daheim war, und mit dem Teleskop (wieder der 5.7" MN) draussen war, auf den Feldern oestlich von Niederleis, war es schon gegen 23:30 Uhr. Waehrend ich im Ort Niederleis auf meinen Gastbeobachter Armin Faltl wartete, hatte ich den Kometen schon bald mit dem 7x50 Feldstecher aufgespuert, ohne dass ich vorher die genaue Position nachgesehen haette. Zu sehen war allerdings nicht viel, ein aeusserst schwaches Nebelfleckchen, weit schlechter als am 22. Juli. Der Anblick im Teleskop war dann auch eher bescheiden. Der Himmel praesentierte sich für weinviertler Verhältnisse zwar toll, gute 6 mag im Zenitraum, aber so tief unten am Nordhorizont litt die Beobachtung schon stark durch Dunst und schlechtes Seeing. Die besten Anblicke gab es bei 87x und 116x, stärkere Vergrößerung brachte keine weiteren Details heraus, zumal Sterne dabei nur als dicke Patzen sichtbar waren. Der Kopf war relativ hell, eine deutliche sternfoermige Verdichtung war nicht auszunehmen. Der Schweif ein kurzes Stück recht hell, gerade nach hinten gerichtet, am Kopf nicht extrem breit auffächernd. Die schwächsten Ausläufer des Schweifes konnten etwa 15 Bogenminuten weit verfolgt werden. Im helleren Teil des Schweifs eine leichte Andeutung von Strahlen. Das eindrucksvollste war aber die schnelle Bewegung des Kometen zu verfolgen - binnen weniger Minuten war die Positionsänderung sehr deutlich erkennbar. So, und nachdem der Komet sehr rasch immer suedlicher steuert, wird's das wohl fuer mich gewesen sein mit der ganzen Linearitaet, zumal das Wetter weiterhin labil ausschaut... Meinem Gastspechtler zeigte ich anschliessend noch ein paar nette Sternhaufen, darunter h+X, NGC663, NGC654 und NGC743. Weitere Erkundungen wurden von einem durchziehenden Wolkenband unterbunden. Nach Aufgang von Mond, Saturn und Jupiter beendeten wir die Spechtlsession. Howdii