Beobachtungsbericht 6./7. Oktober 1997 -------------------------------------- Da sich am Montag, dem 6.10., der Himmel den ganzen Tag lang als wolkenlos praesentierte und nach allen Vorhersagen eine ebenso klare Nacht zu erwarten war, entschlossen uns wir beide, Wolfgang "Howdii" Howurek und Mag. Walter Koprolin zur Beobachtung auf der Ebenwaldhoehe. Dass wir beide nicht die Einzigen waren, die so dachten, zeigte sich, sobald wir oben waren, weil dort gerade eine ganze Gruppe der bekanntesten Astrofotografen Oesterreichs mit dem Aufbau ihrer Instrumente beschaeftigt war. Die Nacht erwies sich als sehr klar, mit einer Grenzgroesse von 6 mag, windstill und nur maessig feucht, so dass sich Tau lediglich auf den Windschutzscheiben unserer Autos aber nicht auf unseren Teleskopen ablagern konnte. Die Haelfte der Nacht widmeten wir hauptsaechlich den grossen HII-Regionen der Milchstrasse, fuer die sich Howdiis 5.7" f/6 Maksutov-Newton wegen seiner Einsetzbarkeit als Rich Field Telescope als ausgezeichnetes Beobachtungsinstrument erwies. Begonnen haben wir erst einmal mit einigen Planetarischen Nebeln: M27 ist Howdiis Lieblingstestobjekt am Sommerhimmel. Da kann gleich die Justierung des Suchers ueberprueft werden, ausserdem ist an den Details, die ohne Filter sichtbar sind, die Qualitaet der Nacht abschaetzbar. Konkret waren die "Ohren" des Hantelnebels gut sichtbar, mit subtilen Details, ein vielversprechendes Zeichen fuer weitere Nebelbeobachtungen. Der Helix-Nebel (NGC7293) stand am Abend in akzeptabler Hoehe ueber dem Suedhorizont. Er erschien in meinem 8" f/10 Schmidt-Cassegrain bei 77x mit UHC-Filter als deutlicher Ring mit duenklerem Zentrum, sowohl im West- als auch im Ostteil war der Ring etwas dicker, eine Andeutung der Helix-Struktur. Der Nord- und der Suedrand des Nebels erschienen deutlich heller. NGC246, ein planetarischer Nebel im Cetus mit ziemlich hellen Zentralstern, war im 5.7" bei 60x mit UHC Filter indirekt gut zu sehen, im 8" auf jeden Fall ein lohnendes Objekt. Danach stand der Cirrus-Nebel NGC6992-5 am Programm: Mit dem Panoptic 22mm-Okular (V=40x) und UHC-Filter waren zahlreiche Details im Bogen (=oestlicher Teil) und im "Feuervogel" (=westlicher Teil) sowie in den kleineren Nebelflecken dazwischen zu erkennen. Die Nebeln um Gamma Cygni (IC1318) waren im 5.7" mit dem gleichen Okular ungewoehnlich gut zu erkennen: Vor allem die beiden hellsten Teile d und e, von Astrofotografen oft "Butterfly Nebula" genannt, erwiesen sich als gut definiert, ebenso war der Teil b als grosser Nebelfleck sichtbar, und der kleinere Crescent Nebula (NGC6888), der nur ein kurzes Stueck suedwestlich liegt, war deulich als kleiner Halbkreis mit Mittelbalken zu erkennen. Abschliessend zu den HII-Regionen im Schwan standen noch der Nordamerika-Nebel NGC7000 sowie die ihn umgebenden Nebelflecken am Programm: Der Nebel war aussergewohnlich kontrastreich, sowohl im helleren suedlichen Teil ("Golf von Mexiko") als auch in der nordoestlichen Nebelpartie waren zahlreiche Details zu sehen, etwa die Dunkelnebel, die im Nordostteil vor der helleren Nebelmaterie zu erkennen waren. Auch der Pelikannebel (IC5067) ein kleines Stueck westlich vom Nordamerikannebel war in seiner gesamten Form auszunehmen, der "Schnabel" sowie auch das "Hauberl" des Pelikans waren eindeutig zu erkennende Nebelfilamente. Ebenso sichtbar waren die Nebelflecken IC5068, etwas suedlich vom Pelikannebel. Die grossen Gasnebel im Cepheus und in der Cassiopeia waren zunaechst wegen ihrer zenitnahen Positionen mit einer deutschen Montierung nicht erreichbar (die Stativbeine waren dem Rohr im Weg), daher habe wir zum Sueosthorizont geschwenkt, wo der Perseus bereit hoch genug stand: Der Californianebel (NGC4699) gilt wegen seiner grossen Ausdehnung als visuell sehr schwieriges Objekt, war aber trotzdem im 40mm-Okular (V=22x) mit H-beta Filter gut zu sehen und zeigte einige Details, z.B. dass die Randpartien wesentlich heller als das duenklere Zentrum sind. Der Nebel IC410 im Fuhrmann ist ansich kein schweres Objekt, er war leicht als geschwungenes Band mit einigen Sternen darin zu erkennen. Wesentlich schwieriger schon ist der "flaming star nebula" (IC405) ein kurzes Stueck nordwestlich: Es waren gerade noch einige kurze Nebelfilamente um den Stern AE Aurigae zu erkennen. Die Pleijaden, die Andromedagalaxie M31 und die Dreiecksgalaxie M33 gehoeren zu den Standardobjekten am Herbsthimmel, die wir natuerlich auch nicht ausgelassen haben: Die Pleijadensterne waren deutlich von Nebel umgeben, vor allem der Meropenebel war auffaellig (V=22x). Dass wir tatsaechlich die Nebel um die Sterne herum und nicht etwa nur Streulicht, das von einer vielleicht beschlagenen Optik kommt, gesehen haben, konnten wir durch den Vergleich mit Fotografien verifizieren: Um gleich helle Sterne, wo auf Fotos keine Nebel zu sehen sind, war auch im Okular kein Nebel zu sehen. M31 wies zwei deutliche dunkle Baender in Richtung zu NGC205 auf, auch die grossen Sternwolken NGC206 im Suedteil und einige kleinere waren gut zu erkennen (V=87x). M33 wies in meinem 8" bei 77x vier HII-Regionen in leicht zu erkennenden Spiralarmen und im kernnahen Bereich auf. Die grosse HII-Region IC1396 im Cepheus war mitterweile mit dem 5.7" Maksutov-Newton erreichbar, erwies sich aber als schwierig: Nur der hellste Teil nahe den "garnet star" My Cephei war eindeutlich zu erkennen, mit einigem Schwenken des Teleskopes konnten auch die Raender des Nebel indirekt festgelegt werden. Die beiden Reflexionsnebel IC59 und IC63 um den Stern Gamma in der Cassiopeia sind zwar keine einfachen Objekte, wenn man jedoch den hellen Stern aus dem Bildfeld bewegt, treten sie als schwache diffuse Flecken aus dem Hintergrund hervor. (Howdii moechte an dieser Stelle anmerken: IC59 ist etwas einfacher als IC63, in meinem letzten Falkenstein-Bericht hab ich das verwechselt. Jedenfalls kein Objekt fuer Anfaenger. Nebelfilter "toetet" die Nebel sofort. Vergroesserung war 44x, mit einem "normalen" Okular, mit Weitwinkel war hier nichts zu machen.) Der Emissionsnebel NGC281 in der Cassiopeia war als helles Dreieck mit einem dunklen Band, das sich vor die Nebelmaterie schiebt, zu erkennen. Gegen 1h00 haben wir dann noch mit dem 5.7" Maksutov-Newton einen raschen Blick auf Saturn geworfen: Das Seeing war zwar nicht ganz so toll, aber 220x konnten wir den Planeten doch vergroessern, und in ruhigen Momenten waren ein Wolkenband auf der Planetenscheibe, die Cassini-Teilung und der C-Ring zu erkennen. Im Vergleich mit einer (mitgebrachten) Aufnahme des Hubble Space Telescope konnte der Blick durchs Okular natuerlich nicht mithalten... Damit beendeten wir diesen Teil der Nacht, und waehrend Howdii schon sein Teleskop zusammenpackt, beginne ich mit dem Fotografieren: Die Galaxie NGC6949 im Cepheus, NGC281 und die Pleijaden standen diesmal am Programm. Waehrend der langen Belichtungszeiten bot sich die Gelegenheit, die Milchstrasse mit dem Feldstecher zu durchstoebern, inzwischen stand auch Orion bereits hoch genug am Himmel, um einige spektakulaere Anblicke zu bieten. Bevor die Morgendaemmerung um 5h45 MESZ begann, habe ich noch schnell den Rosettennebel NGC2237-9 im Einhorn, der schon im 15x80-Fernglas als nebeliger Fleck auffiel, in meinem 8" ins Visier genommen: Mit Fokalreduktor, 40mm-Okluar (V=32x) und UHC-Filter trat der Nebel als deutlicher Ring um den hellen Sternhaufen im dunklen Zentrum hervor, der Nordwestteil war heller als der restliche Nebel und im Suedteil waren dunkle Einschluesse zu erkennen. Mit einer schoenen Morgendaemmerung mit Farben von einem tiefen Blau bis zu einem kraeftigen Rot am Horizont endete eine ausgezeichnete herbstliche Beobachtungsnacht auf der Ebenwaldhoehe, und die Qualitaet des Sternenhimmels dort oben laesst uns schon gespannt die klaren Winternaechte erwarten. Abschliessend noch eine Bemerkung: Alle grossflaechigen Nebeln, die wir in dieser klaren Nacht in der Milchstrasse beobachtet haben, sind relativ schwierige Objekte, die man am besten mit einem Rich Field Telescope unter idealen Bedingungen beobachtet, es handelt sich meistens um fuer Anfaenger oder Besitzer von kleinen Telekopen nicht zu empfehlende Objekte. Mag. Walter Koprolin e-mail: koprolin@venus.ast.univie.ac.at