Das Christkindl hat mich gefragt, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Da hab' ich gemeint, eine Digitalkamera, die sich besser für astronomische Zwecke eignet als meine kleine Olympus 300. Hat das Christkindl frech gesagt: Dann kauf Dir das doch selbst, dann kriegst wenigstens (vielleicht) das was du willst! Einen Augenblick lang hab' ich dumm geschaut, und dann dem Christkindl geantwortet: Ok, mach' ich, und da, nimm meine Olympus, und schenke sie wem anderen. - So, oder so ähnlich geh'n die modernen Märchen, nicht wahr? Tatsache, ich stapfte in ein Fachgeschäft, um Ausschau nach einer geeigneteren Digitalkamera zu halten. Eigentlich wollte ich in der 3 Megapixel Klasse bleiben, weil das für normale Zwecke mehr als ausreicht, doch letztlich trug ich eine 5 Megapixel Kamera nach Hause.
Die ersten klaren Nachtstunden nützte ich natürlich gleich, um Orion und Co abzulichten. Es war eine superklare Nacht, aber kalt. Nun, das Bildl war in zwei Minuten gewonnen, inklusive Stativ auf- und abbauen. Dann konnte ich in der warmen Stube genüsslich das Ergebnis begutachten.

Sternfeldaufnahme - 15 Sekunden bei f/3.2, ISO 400
Nicht so schlecht! In der Originalgröße des Bildes kam ich auf Sterne zwischen 8. und 9. Größe, und fand eine tolle Auflösung vor, z.B. Theta Tauri (rechts oben, Distanz 5.7') fein getrennt (in der verkleinerten Web-Version immer noch länglich). Einzig der Farbfehler des Objektivs - immerhin ein Zeiss Vario-Sonnar - macht sich durch blaue Höfe um helle Sterne bemerkbar, sofern sie nicht deutlich rötlich sind. Vielleicht lässt sich dieser Effekt noch etwas unterdrücken, wenn man den Weißabgleich nicht der Automatik überlässt. Aber welch ein Unterschied zu meinem Versuch, ein Sternfeld mit der kleinen Olympus Kamera zu knipsen! Da musste ich die Sterne einzeln aus dem Rauschen herauskletzeln, kam zwar immerhin tiefer als ich visuell sehen konnte; Hier aber brauchte ich nur den Gammawert ein klein wenig anzuheben, mehr nicht.
Als nächstes darf ich einen Weihnachtsgruß von Venus präsentieren. Die Landschaft zeigte sich zu dieser Zeit ohne Schnee.

Venus in der Abenddämmerung des 24. 12. 2003, um 16:40 - 1/10 Sekunde bei f/4, ISO 400
Am Abend des 26. 12. 2003 gelang mir ein Schnappschuss von der schmalen Mondsichel und Venus. Zur "Verzierung" machte ein Düsenflieger just zu meiner Aufnahmezeit einen "Kratzer" in den Himmel...
Mondsichel links oben, Venus rechts unten - 1/80 Sekunde bei f/4, ISO 400
Bis zum Jahreswechsel verschlechterte sich das Wetter, und es gab ein bisserl Schnee. Das Feuerwerk in der Neujahrsnacht war recht flau - Sparmassnahmen, wohin man schaut ;-)

Kümmerliche Details des Neujahrsfeuerwerk über der verschneiten Landschaft... 1 Sekunde bei f/2.8, ISO 200
Und nachdem der Himmel nicht aufklaren wollte, suchte ich nach anderen Testmotiven. Nachfolgend ein "Vogerlbaum" in der Nachbarschaft.
Vogerltreff hoch in den Birken - 1/250 Sekunde bei f/3.5, ISO 200
Der Dreikönigstag brachte strahlend schönes Wetter. Gegen Sonnenuntergang zu versuchte ich Venus mit freiem Auge aufzustöbern. Etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang gelang es: Nachdem ich Venus leicht im 7x50 Feldstecher geortet hatte, war sie auch relativ leicht freisichtig zu sehen. Als kleine Hilfe, einen Anhaltspunkt am hellen Himmel zu finden, gab der Wipfel eines Nadelbaumes.
Suchbild: Wo ist Venus? 1/250 Sekunde bei f/5.6, ISO 100
Hier, im Ausschnitt, leichter zu finden (im linken, oberen Quadranten):

Auf eine klare Nach freut man sich oft zu früh. Kalt wäre sie sowieso gewesen, saukalt sogar. Um 20:30 des Dreikönigstages hatte es schon -16 Grad, und bei einem Blick aus dem Fenster, bekam ich nur so etwas zu sehen:

Verschleierter Mond - 1/60 Sekunde bei f/4, ISO 400 - freihändig
So, jetzt fehlt noch, zu sagen, welch' Herkunft die neue Digitalkamera ist: Es ist eine Sony DSC-V1. In Astrokreisen sind eher Nikon und Canon für gute Tauglichkeit bekannt, nachdem mir die Sony zumindest alle Freiheit bei der Einstellung lässt, und bis zu einer halben Minute belichten kann, und bei gleichzeitiger Noise-Reduction taugliche Bilder liefert, die mir viel Arbeit in der Nachbearbeitung sparen, so habe ich sie nach einem kurzen Test zu meinem Eigentum erkoren. Was die für's erste recht vielversprechenden Bilder noch an Potential bringen mögen, wird sich weisen.
Howdii