Beobachtungsbericht SN1999cl Am 8. Juni erhielt ich eine Nachricht von meinem Spechtlpartner Walter, dass in der Spiralgalaxie M88 im Sternbild Coma Berenices eine Supernova fuer die naechsten paar Wochen zu sehen sein wird. Er hatte diese Information von amerikanischen Astrofotografen, die schon fleissig einige Bilder der Supernova aufgenommen hatten. Nun, ich war damals gerade beruflich an einer moeglichst raschen Beobachtung gehindert, aber Walter war der Sache gleich hinterher. Anlaesslich einer ausgezeichneten Astrofoto-Nacht vom 9. auf den 10. Juni auf der Ebenwaldhoehe, in der er auch sein 8" Meade SCT fuer visuelle Beobachtungen dabeihatte, konnte er die SN recht leicht als 13 mag Sterndl etwas nordwestlich des Kerns von M88 entdecken. In einer weiteren Fotonacht (13./14. Juni) am Brentenriegel im Burgenland hielt Walter schliesslich mit seinem 4" f/6.5 APO auf M88, und es gelang ihm, die Galaxie mit der SN nebst vielen anderen Galaxien in der naeheren Umgebung von M88 auf Film zu bannen. Dass Walter in dieser Nacht ueberhaupt zum Fotografieren kam, war Glueckssache, er war ueberhaupt nur auf den Brentenriegel gekommen weil es an allen anderen guten Beobachtungsplaetzen bereits bewoelkt war, und kurz nach dem M88-Foto zog auch der Himmel ueber dem Brentenriegel zu. Helligkeitsmessungen der Supernova auf diesem Foto anhand der Umgebungssterne ergeben 13.5 mag. Ich selbst fand Zeit und halbwegs geeigneten Himmel erst am 19. Juni, bei einer Beobachtung im Weinviertel (Niederleis). Da waren die Bedingungen allerdings schon durch den zunehmenden Viertelmond, der kaum 40 Grad westlich vom Zielgebiet stand, einigermassen erschwert. Es war gar nicht so leicht, die Galaxie M88 in dem sternarmen Gebiet bei dem gegebenen, aufgehellten und leicht dunstigen Himmel, per Starhop ausfindig zu machen. Als ich sie endlich hatte, untersuchte ich die Umgebung noch gruendlich, um wirklich sicherzugehen, beim richtigen "Kandidaten" gelandet zu sein. Mein diesbezueglich unternommener "Ausflug" fuehrte mich entlang Markarians Galaxienkette (von der ich diesmal aber rein gar nichts im 5.7" f/6 Maksutov-Newton ausnehmen konnte) zu M86 und M84, die ja aufgrund ihrer unmittelbaren Naehe zueinander eine regelrechte "Landmark" im Virgohaufen darstellen, dann weiter zu M87, und von dort wieder nach Norden zu M88. Alles ok, nun galt es die SN aufzuspueren. Bei Vergroesserungen von 145x bzw. 175x gelang es immer wieder, indirekt nordwestlich des Kerns der Galaxie ein schwaches Sterndl aufblitzen zu sehen. Das Seeing war auch nicht gerade vom besten, so war es nicht moeglich, die SN indirekt fuer einige Sekunden zu halten. Gefuehlsmaessig war die Helligkeit bereits etwas gesunken, mit einem 13 mag Sterndl haette mein braver 5.7" Maksutov-Newton kaum so grosse Probleme gehabt. Am 24. 6. waren Walter und ich nochmals in Niederleis, um die SN per CCD einzufangen. Der Mond stand diesmal etwa 40 Grad oestlich des Zielgebiets, und hatte natuerlich weiter zugenommen. Zuerst versuchte Walter, der schon frueher am Beobachtungsort war als ich, M88 mit seinem 4" f/6.5 APO zu finden. Allein, in der aufgehellten "Suppe" konnte man im Sucher kaum mehr Sterne in der Umgebung von M88 sehen, geschweige denn war etwas von der Galaxie selbst an der vermeintlichen Stelle zu erkennen. Ein CCD-Shot "aus der Huefte" brachte nur verrauschten Hintergrund, keine Galaxie. Nun baute ich flugs den 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf, die Zeit draengte, M88 sank immer tiefer. Nachdem ich ein paar Tage zuvor "brav" die Aufsuche von M88 "geuebt" hatte, war das Objekt zack-zack eingefangen. Im Okular war nur das Zentralgebiet der Galaxie gaaaanz schwach erkennbar. Das Fokussieren der CCD Kamera kostete uns zusaetzlich etwas Zeit, aber beim 2. "Schuss" war die Galaxie schon wenigstens auf dem Chip abgebildet, wenn auch ziemlich dezentriert. Leider hatte ich beim Poljustieren in der G'schwindn etwas geschludert, und so driftete das Objekt unserer Begierde immer wieder aus dem Aufnahmefeld, zudem erlaubte die nicht korrekt poljustierte Montierung nur Shots mit maximal einer Minute Belichtungszeit. So schistelten wir halt einige Zeit herum, um wenigstens ein "Beweisbild" zu erhaschen. Die SN ist drauf zu erkennen, und "Insider" werden auch M88 auf dem Bild erkennen, auch wenn von den Spiralarmen rein gar nichts drauf ist. Die Messung der Helligkeit auf diesem CCD-frame ergibt 14.3 mag, wobei zu beruecksichtigen ist, dass das CCD im nahmen Infrarot empfindlicher ist als im visuellen Spektralbereich. Mittlerweile ist es Mitte Juli, und das Wetter hat bisher alle Versuche, nochmals auf die SN loszugehen, zunichte gemacht. Der Reichweite kleiner Teleskope ist die SN wohl auch schon entschwunden, sollte sich in den naechsten Tagen nun doch noch eine Moeglichkeit ergeben, wird mit schwerem Geschuetz aufgefahren: Wir wollen versuchen, ob der 18" f/4.4 Dob die SN noch "sehen" kann... Wenn auch daraus nichts wird, koennen wir nur mehr im naechsten Jahr eine "Kontrollbeobachtung" durchfuehren, bei der natuerlich die Supernova nicht mehr zu sehen sein darf. Howdii PS: Foto und CCD Bild von M88 mit der SN1999cl sind auf Walters Homepage zu finden: http://www.ast.univie.ac.at/~koprolin/Photo/Gal/#News1