Beobachtungsbericht von der Ebenwaldhöhe, 26./27. Februar 2002 ============================================================== Drei Wochen hält sich nun schon - mit kurzen Unterbrechungen - ein stabiles Hoch über Österreich! Das bedeutet für uns Astronomen eine hektische Zeit, zumal es gegen Neumond geht. Beobachtungsplatz war in dieser Nacht die Ebenwaldhöhe, schon zum dritten Mal innerhalb der letzten paar Tage. In den beiden Nächten zuvor gab es zwar gute Transparenz, aber dafür war es recht windig. Welches Wetter würde mich wohl heute Nacht erwarten...? Hinaufgekommen bin ich erst um 22:30, relativ spät, da ich an diesem Mittwoch lange arbeiten musste. Da die Wintermilchstraße im Februar kurz nach Mitternacht untergeht, hatte ich das 8" f/10 SCT Teleskop mit dabei, um mit der langen Brennweite einige Galaxien des Frühlingshimmels zu fotografieren. Auf der Bergstraße gilt immer noch Kettenpflicht. Vor drei Wochen wäre das wohl noch notwendig gewesen, damals bin ich auf dieser Straße im Tiefschnee hängen geblieben und musste aufgeben, weil ich keine Ketten dabei hatte, jetzt ist es aber unnötig. Wohl ist die Straße eisig vom aufgeschmolzenen und dann wieder gefrorenem Schnee, aber gestreut, und relativ problemlos zu befahren. Ich konnte in dieser Nacht die Ebenwaldhöhe ganz für mich alleine genießen, was in letzter Zeit eine Seltenheit ist. Aufgebaut habe ich im Schnee neben der nach rechts hinten zu einem Bauernhof führenden Straße, weil dort besserer Windschutz gegen denn angekündigten Südostwind gegeben ist - unnötig, wie sich herausgestellt hat, es blieb die ganze Nacht hindurch vollkommen windstill. Auch war es trocken, und verglichen mit den vorhergehenden Nächten fast schon warm bei -1 Grad. Unten in Kleinzell hatte es -6... Der Sternenhimmel war unglaublich prächtig! Die visuelle Grenzgröße betrug 6.5 Magnituden, der beste Wert, den ich auf der Ebenwaldhöhe je gesehen habe! Etwas später bin ich erst drauf gekommen, warum: Keinerlei Lichtschwammerln am Horizont! Weder Wien, noch St. Pölten, noch Hainfeld waren zu sehen - die lagen alle bereits unter zähem Hochnebel... Eine Bemerkung zur Bestimmung der Grenzgröße: Andere hätten diese Nacht sicher als 7mag+ bezeichnet, ich messe die Grenzgröße anhand des schwächsten noch sichtbaren Sternes im kleinen Bären, den ich indirekt noch sehen kann. Und das war eben ein 6.5mag-Stern. Individuelle Unterschiede je nach Beobachter gibt es sicher. Mit dabei hatte ich also das 8" SCT. Nahezu perfekte Einnordung war schon mit dem Polsucher der GP-DX gegeben, beim Scheinern waren kaum noch Verbesserungen notwendig. Als erste Aufnahmeobjekt habe ich M65/M66 eingestellt, und mich erst wieder gewöhnen müssen an das etwas mühsame Einstellen mit dem off-axis guider, die Autoguider-Kalibration hat auch nicht auf Anhieb geklappt. Dann ist endlich die Aufnahme gelaufen - 5 Minuten später gab es einen guiding error, Leitstern verloren. Neue Kalibration, dann noch ein Versuch - gleiches Ergebnis. Was ist da los? Beim nächsten Versuch habe ich genau zugeschaut, was passiert - nach ein paar Minuten hat die Nachführung, die sonst ruhig und gleichmäßig läuft, plötzlich einen gewaltigen Pendler in RA gemacht, zu schnell und zu groß für den Autoguider, und futsch war der Leitstern. Mist! Dann habe ich mich daran erinnert, dass mir schon im letzten Sommer beim Fotografieren mit dem 8" SCT ein großer Ausschlag der Nachführung in RA genau alle 10 Minuten aufgefallen ist, damals konnte der Autoguider danach den Leitstern wieder einfangen. Jetzt dürfte sich dieser Hacker verschlimmert haben. Dabei fällt bei der Fotografie mit dem Refraktor der Hacker nicht einmal auf! Gut, da führe ich auch bei weniger als der halben Brennweite nach. Alle 10 Minuten, das klingt nach einer Schneckenumdrehung, die wird wohl irgendwo eine tiefe Kerbe haben... So ein Mist! Keine Fotos mit dem 8" SCT möglich. Was tun? Aufnahmen mit Fotoobjektiven? Kaum sinnvoll unter einem Himmel voller Galaxien, die bei so kurzer Brennweite nicht herauskommen. Da bleibt nur eines: Visuell beobachten. Gerade mal eine Strichspuraufnahme vom Nordhimmel habe ich nebenbei laufen lassen. Beobachtet habe ich hauptsächlich Galaxien, mit einem kurzen Abstecher auf Jupiter, aber das Seeing war für Planeten nicht optimal: Die Bewegungen nicht groß, aber schnell. Jupiter hat ohnehin nur die "fade" Seite gezeigt, wo man nur die beiden Hauptbänder ohne viel Struktur sieht, sofern das Seeing nicht ausgezeichnet ist. Dafür waren die Galaxien bei der Transparenz ein Traum, ich hätte nicht geglaubt, dass sich mit 8" Öffnung so viel sehen lässt: M66 hat bei 133x Balken und Spiralarme gezeigt, hat schon fast so ausgesehen wie auf unserer CCD- Aufnahme! NGC 3628 war ein schönes Sandwich bei der gleichen Vergrößerung mit Staubband, NGC 4565 war bei 90x fast bildfüllend, mit Staubband quer durch, M64 hatte eine ein deutliches "Schwarzes Auge" und jede Menge Struktur nahe dem Zentrum, M104 mit breitem deutlichem Staubband und in "Sombrero"-Gestalt! M51 hat mich fast umgeworfen: Da stand die Whirlpool-Spirale, mit eng gewundenen Spiralarmen! Und M101 erst: Im 8" kenne ich diese Galaxie bisher nur als verwaschenen Fleck mit ein paar Knoten, gestern Nacht stand die Spirale da, indirekt deutlich sichtbar! Ich war begeistert! Um 3:30 Uhr früh ist die Sommermilchstraße über die Bäume im Nordosten hochgestiegen, knallig ab Horizont, Bänder, Dunkelwolken, Struktur! So habe ich das noch nie gesehen! Das habe ich noch fotografiert, mit Weitwinkel-Objektiv. Danach war es dann doch an der Zeit, diese tolle Beobachtungsnacht zu beenden, zusammenzupacken und heimzufahren, kurz vor 6 Uhr war ich erst daheim in Wien. Walter Koprolin