Spechtlbericht 31.8./1.9. und 1.9./2.9. 1997 Die erste der beiden Naechte hatten wir die Ebenwaldhoehe als Beobachtungsort geplant, allerdings war bis gegen 23:00 der Himmel ziemlich zu, im Sueden total, im Norden sah man Sterne. Walter Koprolin, der vor mir dort war, hatte schon etliche Zeit sorgenvoll die Wolken beobachtet. Wir beschlossen schliesslich, die ungastliche Staette zu verlassen (angeblich ist es spaeter doch noch aufgeklart), wir jedenfalls suchten uns ein Platzerl noerdlich von Stoessing am Hegerberg, dort war der Himmel wolkenfrei. Dieser Punkt bietet gar nicht so schlechte Bedingungen, einen tief herabreichenden Suedhorizont, natuerlich einen etwas aufgehellten Osthimmel, im Nordwesten ist der Blick durch den Wald etwas eingschraenkt, was aber verschmerzbar ist. Die Nacht war waermer als erwartet, aber es gab extreme Taubildung. Nach Mitternacht beschlugen die Optiken binnen Minuten... bis schliesslich auch der Fangspiegel meines 18" Dob blind war (Premiere!). Walter hatte bis dahin "aus allen Rohren geschossen", nach nur einer Belichtung war das jeweilige Fotoobjektiv tropfnass. Sein 8" SCT war schon viel frueher beschlagen, bevor er damit haette fotografieren koennen... Allgemein waren die Sichtbedingungen halbwegs ok, freilich etwas dunstig. Zu Beginn kam gleich einmal der Helix-Nebel (NGC7293) dran. Der Anblick im 18" gab erstaunlich viel her, so war nicht nur der Ring mit deutlich aufgehelltem Zentrum, mit 7 oder 8 druebergesprenkelten Sternen zu sehen, auch subtile Helligkeitsunterschiede (die Knoten am noerdlichen und suedlichen Rand) und auf der Westseite die Ansaetze des zweiten, verschachtelten, Ringes. Dazu verwendeten wir 105-fache Vergroesserung und UHC bzw. OIII Filter. Naechster Kandidat war M2, ein praechtiger Kugelhaufen, der auch bei hoher Vergroesserung (380x) immer noch einen nebeligen Hintergrund zeigte. Einmal in dieser Gegend, wollten wir auch den Saturn-Nebel (NGC7009) sehen. Und tatsaechlich hat dieser gruene "Knoedel" beidseitig Fortsaetze (230x), und erinnert so an Saturn mit den Ringen in Kantenlage. Hoehere Vergroesserung (380x bis 560x) zeigt ein etwas anderes Bild. Es sind dann ein Ring und ein schlankes Oval ueberlagert, und im dunklen Zentrum des Ringes war blickweise der Zentralstern (11.5 mag) zu erhaschen (380x), aber doch sehr schwierig. An diesem Objekt verwendeten wir kein Filter. M72, ein Kugelhaufen in naechster Naehe, ist selbst fuer einen 18" eine Challenge. Indirekt waren bei 230x einige Sterndl zu erhaschen, bei 105x war vorwiegend nur ein nebeliges Fleckerl zu sehen. Weiter ging die "Reise" zu NGC246, einem planetarischen Nebel im Cetus. Ohne Filter bot sich hier eine schoene Uebung fuer indirektes Sehen, damit konnte man die gleiche Wahrnehmung erziehlen wie mit OIII Filter bei direktem Hinsehen. Insgesamt ein lohnendes Objekt, mit etlichen Sterndln verziert und einem hellen, leicht sichtbaren Zentralstern. NGC247, ebenfalls im Cetus, eine schwache Galaxie, war durch die noch tiefere Position kaum zu sehen. Bei 105x ein unfoermiger Laengsstreifen im Okular. NGC253, die prachtvolle Galaxie im Sculptor, noch tiefer, bot trotz des Dunstes schon ein passables Bild. Ansatzweise war bei 105x die flockige Struktur des Staubbandes sichtbar. Die Galaxie M74 in den Fischen war als heller Kern mit einem grossen, aufgehellten, Bereich rundherum sichtbar. Ziemlich undefiniert, Spiralarme konnten wir keine ausmachen, bei 105x nicht, auch bei hoeherer oder niedriegerer Vergroesserung. Bei absolut dunklem Himmel laesst sich vielleicht noch einiges rausholen. Wiederum nahmen wir den Bubble Nebel (NGC7635) in's Visier, konnten aber kaum mehr erspechteln als bei unserer letzten Beobachtung in Falkenstein. Ich hatte diesmal den besten Eindruck bei 105x mit UHC Filter. Die Gamma Cygni Nebel wurden kurz in's Visier genommen, von dort aus ging's zu NGC6888. Der Crescent Nebel war bei 105x bzw. 90x mit OIII Filter ein beachtliches Objekt. Die zenitnahe Position brachte nun auch meinen Dob in Verlegenheit, der Fangspiegel war bald beschlagen. Das war aber noch nicht das absolute Aus: Saturn war immer noch eine Augenweide. Das Seeing war in dieser vom Tau triefenden Nacht gut, und Saturn stand bei 230x fuer Sekunden so ruhig im Bild, dass man meinte, ein Dia anzuschauen. Der Anblick ist fuer uns nun schon zur "Gewohnheit" geworden, spektakulaer aber allemal, der Ringplanet mit Cassiniteilung, Crepe-Ring, pechschwarzem Schatten des Planeten auf dem Ring, Wolkenbaendern, etlichen Monden... Und wenn ich nicht Geister gesehen habe, so duerfte ich blickweise ganz draussen in den Ansen die Encke Teilung erhascht haben. Dann war es aber endgueltig Zeit, unsere klitschnassen Sachen zusammenzupacken, was einigermassen lustig war, mit Sucher und Telrad "entleeren", etc. Die Stoffschutzhuelle meines "Stangl-Newton" war zum Auswinden... Die naechste Nacht waren wir schon wieder draussen, diesmal passte es auf der Ebenwaldhoehe. Die Nacht begann wirklich praechtig, mit einer Sommermilchstrasse, wie ich sie schon lange nicht gesehen habe. Im Zenitraum hatten wir eine respektable Grenzgroesse von 6 bis 6.5 mag, je nach Einschaetzung der einzelnen Beobachter. Tau gab es in dieser Nacht keinen, dafuer auffrischenden Suedostwind, der uns bald zu waermerer Kleidung greifen liess. Gegen die Morgenstunden zu bildete sich im Tal Nebel aus, was nach und nach eine ziemlich starke Himmelsaufhellung im Nordosten und Osten bewirkte. Im Sueden wurde der Himmel horizontnah matt. Zum Einstieg beobachtete ich NGC6229, einen schwachen Kugelhaufen im Herkules. Bei 105x noch ziemlich nebelig, war er doch bei 230x teilweise aufloesbar. Weiter ging's mit der Jagd nach diversen Gasnebeln. An S90 im Sternbild Vulpecula scheitere ich gleich einmal, ich denke, ich war an der richtigen Position, konnte aber nix nebeliges entdecken. Gut, ich war in der zweiten Nacht mit meinen Augen schon etwas bedient... Kann aber genauso gut sein, dass ich die falschen zwei Sterndl als "Wegweiser" im Okular erwischt habe, und knapp daneben ist halt auch daneben. Walter zweifelt zwar nach unseren Recherchen im POSS, ob S90 fuer einen 18" ueberhaupt zu derpacken ist, ich kann es aber nicht glauben, dass so gar nix davon zu erwischen sein sollte. Das wird naechstesmal peinlichst genau nachgeprueft. "Alles Nebel" erschien bei IC1396 im Cepheus. Dieser riesige Nebelfleck in der Gegend von My Cephei passt natuerlich bei 2 Meter Brennweite nimmer in's Blickfeld, hier haett ich den kleinen 5.7" Maksutov-Newton gut brauchen koennen. Bei 50x mit UHC Filter konnte man jedenfalls weitschweifige Nebelgebiete feststellen, durchaus strukturiert, jedoch ohne eine Aussage vom Aussehen des Objekts treffen zu koennen. So wie wenn man im Wald steht, und vor lauter Baeumen den Wald nicht sieht... Ebenfalls im Cepheus, hart an der Grenze zur Lacerta, wartete mein naechster Kandidat: S132. Dieses Sharpless Objekt war mit UHC oder H-Beta Filter am besten zu sehen, OIII brachte meines Erachtens wenig. Auch dieser Nebelfleck ist relativ gross, ein wenig musste man das Fernrohr schon hin und her schwenken, um die Ausdehnung etwa zu erfassen. Insgesamt erschien S132 jedenfalls nicht allzu schwierig. Recht einfach waren diverse Teile des Gamma Cygni Nebelkomplexes zu sehen. Zumindest die Teile IC1318 b, d und e sowie den S108 konnten wir eindeutig identifizieren, schoen war auch der Dunkelnebel LDN889 zwischen den Teilen d und e sichtbar. Wiederum war UHC oder H-Beta dem OIII Filter vorzuziehen. Verdammt, ich haett auch ohne Filter probieren sollen... das naechste mal halt. Dann widmete ich mich wieder diversen Objekten tief im Sueden. Der Helix-Nebel war aehnlich wie in der Nacht davor am Hegerberg. Mehr laesst sich vielleicht nurmehr unter Top-Bedingungen rausholen, die aber nicht mehr gegeben waren. Huebsch war wieder NGC246, zusaetzlichen Informationsgewinn konnte ich aber nicht verzeichnen, hab aber auf diversen Fotos auch nicht mehr erkennen koennen. NGC247 war deutlicher zu sehen, aber immer noch ziemlich strukturlos. Weit schoener als am Hegerberg war jedoch NGC253. Wir zoomten bis 150x rein, wo die Staubstrukturen wunderbar sichtbar waren, bei 90x dafuer die Spiralarme als flaches "Z". In der Naehe und noch ein bissl suedlicher befindet sich NGC288, ein recht netter Kugelhaufen, der bei 105x bis 230x doch eine beachtliche Zahl von Sternen zeigt. Weiter ging's mit einigen Galaxien. So z.B. machte NGC7331 doch mehr her als in der letzten Ebenwald-Nacht. Ein Blick auf Stephan's Quintet offenbarte bei 230x vier nebelige Fleckerln. Wo ist denn die 5. Galaxie? Da muss ich noch ein bisslerl nach"hacken". Entweder haben wir die 13.6mag Galaxie NGC7317 nicht derpackt, oder, was wahrscheinlicher ist, wir haben die knapp beieinander stehenden NGC7318A und B als ein Fleckerl gesehen. Zu diesem Schluss komme ich deshalb, weil ein Nebelfleckerl deutlich schwaecher war, und das duerfte wohl die NGC7317 als schwaechste Galaxie in dieser Gruppe gewesen sein. Wenn man diese Gegend im Pegasus ein wenig weiter abstoebert, kommen einem noch etliche schwache Galaxien unter... Etwas leichtere Kost war schliesslich M33. Bei 105x einfach traumhaft. Die S-Form war leicht sichtbar, 4 hellere Knoten, die Spiralarme indirekt weit um den Kern herumgewunden, und ansatzweise ein dritter Spiralarm. Beste Vergroesserung 105x, bei 50x auch nicht uninteressant, aber weniger Detail. An M33 wird noch allerhand zu erforschen sein. M31 bot auch einen Anblick wie noch nie. Im hellen Zentrum der Kern fast punktfoermig, deutlich 2 Staubbaender westlich, die Sternwolke NGC206 leicht sichtbar, die Spiralarme noerdlich und suedlich weeeeeeiiiiiit hinaus verfolgbar (der suedliche ist etwas staerker ausgepraegt), M32 als verdammt heller Knoedel, und NGC205 als dicker Brummer, allein schon sehenswert. Besten Kompromiss zwischen Vergroesserung und Kontrast bot 105x. M31 gibt sicher noch einiges her, werde ein gutes Foto einmal eingehend studieren, und dann gucken, was visuell davon rauszuholen ist. Teilweise wird man kraeftig vergroessern duerfen. NGC891 war bei 150x einfach fesch, lichtschwach, aber deutlich sichtbar, und das zentrale Staubband fast ueber die gesamte Ausdehnung. Bei M74 konnte zumindest Walter bei 105x indirekt einen Spiralarm entdecken, der sich um 3/4 der Galaxie herumgewunden hat. Fuer mich war das nicht erkennbar, ich war bereits zu muede. Der Merope Nebel in den Pleiaden wurde schon ein Opfer des aufgehellten Himmels, den hab ich schon leichter im kleinen 5.7" gesehen als diesmal im 18". Zum Drueberstreuen gab's dann noch M52, h+X im Perseus, und einen Blick auf den Bubble-Nebel, der fuer mich nichts neues bieten konnte. Walter hat bei 105x mit UHC Filter die Bubble mit klar definiertem Aussenrand gesehen, und mehr als die Haelfte der "Luftblase" erkannt. Meine Sehkraft war damit endgueltig erschoepft, zwei Naechte nacheinander sind doch eine rechte Viecherei, zumal ich trotz Muedigkeit kaum mehr als 3 Stunden geschlafen hatte. Mit sowenig Schlaf haengt sich die zweite Nacht dann noch mehr rein. Waehrend ich schon meine Sachen einpackte, belichtete Walter eine Stunde lang M33. Seine weiteren Aufnahmen waren der Helix und h+X Persei. Ich bin schon auf den Vergleich mit unseren visuellen Eindruecken gespannt. Howdii