Beobachtungsbericht vom 9./10. Juni 2000, Niederleis Viertelmond, und Deep Sky Spechtler treiben sich in der Nacht mit ihren Fernrohren herum... Sind die leicht gar mondsuechtig geworden? :-) Nein, nicht wirklich, wir haben vielmehr gelernt, dass extrem klare Naechte auch bei Mondlicht noch einigermassen gut nutzbar sind. Sicher bringt der Mond eine Himmelsaufhellung mit sich, doch mit genuegend Distanz vom Mond findet man noch einigermassen dunklen Himmel vor. Und gerade diese Naechte mit leicht erschwerten Bedingunen sind gut zum Training der Beobachtungstechnik geeignet. Tja, und wie es so einmal ist, kann es dabei durchaus Ueberraschungen geben... Die Nacht war mild, es gab leichten Wind, keinen Tau. Tagsueber war gute Fernsicht gegeben, also eher wenig Dunst. Das ist schliesslich Voraussetzung, um bei Mondlicht ueberhaupt noch sinnvoll beobachten zu koennen. Trotz Viertelmond hielten wir im Zenitraum bei etwa 5 mag Grenzgroesse freisichtig. Die Bedingungen waren sogar gut genug, dass Walter mit seinem 8" SCT ein paar Sternhaufen-Fotos riskierte. Fuer die visuelle Beobachtung kam wiederum mein 8" f/6 Maksutov-Newton zum Einsatz. Wir hatten Gaeste (Armin Faltl und Peter Herzog), daher kamen in erster Linie "Standardobjekte" in Frage, die einfach sichtbar sind, an denen man aber mit Beobachtungstechnik noch einiges holen kann. Unser erstes Opfer war M13. Die Vergroesserung wurde nach und nach von 55x auf 120x, 160x, 200x und 300x gesteigert. Der beste Gesamteindruck ergab sich bei 120x, jedoch konnten wir bei 300x ziemlich gut die Stelle im M13 finden, wo der alte Messier offensichtlich den Sternhaufen angekreuzelt hat, damit er ihn spaeter wiedererkenne :-) Natuerlich musste auch die benachbarte Galaxie NGC6207 als Testobjekt herhalten. Auch hier war bei 120x der beste Eindruck gegeben, 160x wirkte schon fast ein bissl viel unter den gegebenen Bedingunen, das Optimum waere wohl irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Vergroesserungen. Armin, einer unserer Gaeste, kommentierte die Beobachtung dieses Objekts bei 160x als "Geisterbahnfahrt" :-) Wir wechselten zu M57. Die Umgebung des Ringnebels bietet fuer mich ein paar Sterne zum Test der erreichbaren Grenzgroesse im Teleskop, und aufgrund der zenitnahen Position eignet sich diese Himmelsgegend doppelt so gut. Mit steigender Vergroesserung holten wir sie uns der Reihe nach ab: 13 mag, 14.1 mag, 14.6 mag... Zur Kroenung zoomten wir schliesslich noch mit 600x auf M57. Der Himmel war nun pechschwarz, die Feldblende war nicht mehr erkennbar. Nun war auch das Ringinnere dunkel, bei 200x noch war dort deutliche Aufhellung sichtbar. Den 14.1 mag Stern konnte ich indirekt gut halten, der mit 14.6 mag war nicht allzu schwierig, und auf einmal sah ich aus der Ringmitte einen Punkt aufblitzen! Der Zentralstern in einem 8" - das gibts doch gar nicht! Nun konzentrierte ich mich speziell auf die Ringmitte, und immer wieder gelang es den Zentralstern fuer einen kurzen Moment "aufblinken" zu sehen. Freilich verlangt so eine Beobachtung gute Dunkeladaption am Okular, jeder der Beobachter nahm sich minutenlang dafuer Zeit. Und auf diese Weise konnten alle Spechtler diese Beobachtung nachvollziehen. Auch Walter, der uns erst ziemlich skeptisch kommentiert hatte, konnte das Ergebnis nun bestaetigen. Um die Sache noch schmackhafter zu machen: der Mond stand zwar schon recht tief, und leuchtete chromgelb durch die horizontnahen Dunstschichten, aber er war noch lange nicht untergegangen! Nach Monduntergang praesentierte sich die Milchstrasse ueberkopf recht praechtig. Im Gegenzug konnte man jetzt erst sehen, wie stoerend die Himmelsaufhellung rundherum am Horizont ist... Bis zum Beginn der astronomischen Daemmerung blieben nur mehr wenige Minuten, also war Eile angesagt, den Cirrus Nebel noch herzuzeigen. Mit OIII Filter bei 44x eine Pracht. Hat mir fast besser gefallen als letztens auf der Ebenwaldhoehe. Am nun immer heller werdenden Himmel stocherte ich noch etwas im Sueden herum, und stolperte wieder ueber einen offenen Haufen. Im Okular haben wir es als das Objekt wiedererkannt, das ich letztesmal als NGC6633 waehnte. Nur, die Position passt so gar nicht fuer NGC6633... Panik, welches Objekt hab ich da eingefangen, und der Himmel wird immer matter, die Orientierung faellt immer schwerer... Die verzweifelten Versuche das Objekt zu lokalisieren brachten schliesslich noch einen praechtigen Kugelhaufen ins Visier :-) Nun war es aber endgueltig zu hell um weiterzuforschen... Es blieb mir letzlich nichts anderes, als einmal umgekehrt zu arbeiten, die am Himmel gesehenen Objekte auf der Sternkarte zu orten :-) Ich wurde jedenfalls fuendig, die beiden Objekte sind M25 und der Kugelhaufen M22. Wie ich nur den NGC6633 mit M25 verwechseln konnte? Aehem, beide sind etwa gleichweit von M11 entfernt, der eine noerdlich, der andere suedlich, und ich wusste beim besten Willen letztesmal nicht mehr, wo ich hingestochert hatte :-) Jaja, so hat man wenigstens ein bissl Verstaendnis fuer die Errata des alten Messier ;-) Howdii