Test: Konus Modell 1765
(158mm/1200mm Newton)"Markenzeichen" der Konus Teleskope, die man vielfach in Auslagen von
Fotogeschäften sieht, ist der knallig orangefarben lackierte Tubus.
Man sieht meist die kleinen, dünnen Röhren, das im Test
befindliche Gerät jedoch stellt bereits ein ausgewachsenes Teleskop
dar. Von der Zielrichtung her wird ein seriöses Einsteigerteleskop
verfolgt. Ein Sechszöller hat prinzipiell genug optische
Leistungskraft, einem durchschnittlich aktiven Sternfreund über Jahre
hinaus neue Himmelsobjekte zu erschließen.
Dieses Marktsegment ist heiß umkämpft: Celestron, Meade, TAL,
Orion etc. sind ebenfalls in der Klasse der preiswerten 6"
Einsteigergeräte vertreten. Der Preiskampf zwingt zu Abstrichen in
Qualität und Stabilität. All diese Teleskope haben ihre
Stärken und Schwächen, ein perfektes Gerät erwartet in
dieser Preisklasse ohnehin niemand. Meist ist es die Montierung, die
zuwenig Stabilität bietet, und die Mechanik, die zu wünschen
übrig läßt. Wenn die Optik auch prinzipiell fotografische
Nutzung zulassen würde,
und ein Nachführmotor angeboten wird, so heißt das noch lange
nicht, daß man wirklich Astrofotografie damit betreiben kann. Ein
wohl allgemeines Problem in dieser Kategorie. Die Optik soll zumindest
akzeptable Bilder liefern, und frei von groben Mängeln sein. Die
mechanische Stabilität soll wenigstens
für visuelle Beobachtung ausreichend sein. Mehr ist einfach nicht
drinnen.
Ziel des Tests ist, festzustellen, ob das Testmodell ernsthaften
Einsteigeransprüchen gerecht wird. Es geht also darum, ob die
Mindeststanforderungen in Optik und Mechanik erfüllt sind, ob man
dieses Gerät einem angehenden Sternfreund guten
Gewissens empfehlen kann.
Lieferumfang (in zwei Wellpappe Kartons):
Zusätzlich im Test:
Testgerät originalverpackt übernommen, also absolut faire Testbedingungen.
Preis: oeS 13.990,-
Zubehör (aufpreispflichtig):
Bewertung
Zusammenbau: Problemlos, es ist ohne Beschreibung (die ohnehin
nur in ital. Sprache vorliegt) klar ersichtlich, was wie zusammengebaut
wird. Einzig die beiden Motorkupplungen können nicht gleich
zugeordnet werden, sie sind aber nur notwendig, wenn die Montierung mit
Motoren nachgerüstet wird.
Tubus in Tubuswiege mit Haltebändern verbunden geliefert, muß
getrennt werden, da die Tubuswiege separat am Montierungskopf befestigt
werden muß (5mm Innensechskantschlüssel erforderlich).
Handbücher: "Das Teleskop - Grundbegriffe" und "Gebrauch
des Teleskops".
Beschreibung ital., deutsch, franz. und holländisch. Englische
Variante wäre kein Fehler.
Die beiden Handbücher sind allgemeiner Natur, wenn Konus Modelle und
Zubehör angesprochen werden, auch nur allgemein. Etliche rein
astronomische Themen, die für Anfänger nicht uninteressant
sind.
Die Beschreibung zum konkreten Modell ist auf einem kopierten A4 Blatt
nur in ital. Sprache enthalten!
Texte in den Handbüchern scheinbar vom Ital. übersetzt.
Teilweise bei der Übersetzung ins Deutsche falsche Termini
verwendet, daher manch kuriose und sogar falsche Information enthalten
(im Originaltext noch richtig). So z.B. erfahren wir,
daß Beteigeuze und Rigel "rot" bzw. "schwarz" leuchten, im ital.
Originaltext sind die Farben noch "rossa e azzurra". "R.A." wird zur
"geraden Aufsteigung", und "magnitudo" zum Spektraltyp, der "rechte
Winkel" wird zum "echten Winkel", wir erfahren,
daß die Optik beschlägt, wenn man das Teleskop vom warmen
Zimmer in die kalte Nacht bringt, usw...
Einerlei, die gebotene Information ist prinzipiell nicht schlecht, man
darf halt nicht alles todernst nehmen, ein angehender Amateur ist sowieso gut beraten, weiterführende Literatur zu konsultieren.
Stativ: Gummifüßchen gut als Fußbodenschoner
für Aufbewahrung, verursachen aber im Beobachtungsbetrieb
Schwingungen, wurden daher abgenommen.
Höhenverstellbereich ausreichend.
Große Ablageplatte.
Flanschkopf muß mit Stativbeinen extrem fest verschraubt werden,
trotzdem zu verwindungsanfällig - übliches Problem bei dieser
Bauweise.
Alustativ zu schwach dimensioniert und sehr leicht, dadurch hoher
Schwerpunkt des Komplexes Stativ-Montierung-Teleskop, was die
Stabilität nicht gerade fördert.
Montierung: Die Montierung ist optisch ident mit der, die bei
den amerikan. Orion Teleskopen angeboten wird. Diese Montierung ist auch
bei anderen Einsteigerteleskopen zu finden.
Polblock zu schwach dimensioniert, hier ist das größte
Stabilitätsproblem. Polhöhenskala zeigt falsch, das ist aber
kein schwerwiegendes Manko, auch bei teureren Montierungen bisweilen zu
finden. Polhöhe über einen Knebel einstellbar, Gegendruck
allein durch das Gewicht der Montierung, Gegenknebel wäre besser.
Einstellung mit Klemmschraube zu fixieren, muß sehr fest angezogen
werden.
Azimut über zwei Knebel gegen eine "Nase" am Flansch einstellbar,
Sicherung durch Schraube an Flanschunterseite, die die Montierung und den
Flansch fest miteinander verbindet.
Achsklemmen in R.A. und Dec. In R.A. tendiert die offene Achsklemme zum
selbstständigen Schließen, indem der Hebel der Schwerkraft
folgend nach unten sinkt, wo die Feststellposition ist. Das ist
hinderlich beim Anvisieren von Objekten, wenn beide Achsklemmen offen
sein sollen. Klemme in Dec ist eine wenig vertrauenserweckende Schraube,
die sehr fest angedreht werden muß, um sicher zu klemmen.
Einstellbare Skalen in beiden Achsen. Stundenkreis kann direkt auf R.A.
eines Objektes eingestellt werden, wird nicht nachgeführt, daher
muß nochmals die R.A. des gerade beobachteten Objektes eingestellt
werden, bevor das nächste Objekt über Koordinaten angefahren
wird.
Unterteilung des Stundenkreises in 10 min, Unterteilung des
Deklinationskreises in 2°. Zu grob, um
ein Objekt sicher über Koordinaten einstellen zu können, man
kommt damit nur in die unmittelbare Nähe.
Polsucher für Anfänger wohl unverständlich, und in der
Beschreibung nur mangelhaft erklärt. Prinzipiell aber recht einfach
zu verwenden, wenn man es einmal verstanden hat. Es sind 3 konzentrische
Kreise um den Himmelspol dargestellt, für die Jahre 1990, 2000,
2010. Man muß die Lage des Polarsternes zum Himmelspol mittels
einer Sternkarte und aktuellem Himmelsanblick ermitteln, und den
Positionswinkel auf einem gedachten Kreis um den Himmelspol feststellen.
Diese Position muß im Polsucher eingestellt werden, unter
Rücksichtnahme auf das umkehrende Bild des Polsuchers
(Positionswinkel erscheint im Polsucher demnach um 180 Grad gedreht). Auf
diese Weise läßt sich eine Genauigkeit von wenigen
Bogenminuten erreichen. Man sollte nach einiger Zeit wohl prüfen, ob
der Polarstern noch auf seinem zugeordneten Kreis ist, eventuell
muß nachjustiert werden. Für visuelle Beobachtung reicht es
prinzipiell auch, den Polarstern einfach in die Mitte des Polsuchers zu
stellen, das sollte auch für einen Anfänger kein Problem sein.
Stabilität der Montierung für visuelle Beobachtung gerade noch
ausreichend. Bei Berührung des Fokussierers entstehen starke
Schwingungen, die zwar relativ rasch gedämpft werden, das
Fokussieren bei höherer Vergrößerung
wird aber dadurch schon stark beeinträchtigt. Der als Zubehör
erhältliche Fokussiermotor würde durchaus Sinn machen.
Für einen kompakten Tubus z.B. eines 6" Maksutov-Cassegrains ist
mehr Stabilität zu erwarten, als für den langen Tubus eines
Newton. Auf jeden Fall ist ein größerer und schwererer Tubus
wie etwa ein 8" f/6 Newton auf dieser Montierung unvorstellbar.
Schnecke/Schneckenrad in beiden Achsen. Motoren nachrüstbar.
Feintrieb bei geklemmter Achse möglich. Feintrieb in Dec extrem
schwergängig, in R.A. auch sehr streng.
Achsstummel an beiden Seiten der Schnecken. Motor kann nur an einer Seite
angeflanscht werden, für Feintriebskurzstangen bleibt dann nur der
andere Achsstummel. Dadurch sind die Justierknöpfe oft nur mit
affenartigen Verrenkungen zu erreichen, wenn man gleichzeitig das Auge am
Okular behalten will. Wird kein Motor installiert, können die
Feintriebsstangen auf den jeweils besser zugänglichen Achsstummel
montiert werden.
Für fotografischen Gebrauch ist die Montierung untauglich. R.A.
Schneckenrad sehr klein. Von etlichen je 1-minütigen CCD-Frames
waren nur bei einem punktförmige Sterne zu sehen, sonst immer zu
Strichen verzogene Sterne, die gemessene 50" lang waren, zudem leicht
"verzittert".
Schrittmotor ist etwas schwierig einzukuppeln. Nachführung war
nichteinmal bei visueller Beobachtung gleichmäßig, es wurde
Rucken beobachtet, genauso hat die Nachführung das Objekt fallweise
innerhalb kurzer Zeit komplett aus dem Gesichtsfeld verloren. Offenbar
muß Tubus peinlichst genau ausbalanciert sein, was mit den
Haltebändern, die als Rohrschellen dienen, nur schwer möglich
ist.
Die Steuerbox für die Motoren ist ein wenig vertrauenserweckendes
Plastikschachterl mit Folientasten, funktionierte aber im Probebetrieb
anstandslos. Eine LED zeigt Betriebsbereitschaft an, und ob Drehrichtung
für Nord- oder Südhalbkugel eingestellt ist. Geschwindigkeit
für Dec 1x und 16x, für R.A. 2x und 16x in
Nachführrichtung, in Gegenrichtung einfach Stoppen des Motors.
Anspeisung mit 12V DC.
Tubus: Sehr dünnes Blech (bekommt quasi schon Dellen vom
scharfen Hinsehen...), zu einem Rohr gewickelt und gefalzt. Orangefarbene
Lackierung außen. Innen mattschwarz, erweist sich aber bei
streifend einfallendem Licht als hochreflektiv.
Tubusendring am Frontende, Tubus vorne mit Plastikstaubdeckel
verschlossen. Zentral an der Spiegelzelle verschraubter Blechdeckel am
Hinterende.
Beim ersten Abnehmen des Frontdeckels (wenig vertrauenserweckendes
Plastik) hat sich der Endring gleich mitgelöst, schlecht verklebt.
Blechdeckel am Hinterende sitzt sehr streng und verspannt
möglicherweise die Spiegelzelle.
Fangspiegel mit vierarmiger Spinne gehalten, Spinne justierbar.
Fangspiegel mit Fangspiegelhalter verklebt, über drei
Innensechskantschrauben justierbar.
Hauptspiegelzelle mit drei 120°
versetzten Schrauben im Tubus gehalten. Schrauben sind alle sehr streng
angezogen, scheinbar für die Ewigkeit verschraubt. Hauptspiegelzelle
recht aufwendig konstruiert, drei große Belüftungslöcher,
zwischen Spiegelzelle und Tubuswand ist ebenfalls ein Lüftungsspalt.
Effiziente Belüftung ist natürlich nur bei abgenommen
Blechdeckel gegeben.
Hauptspiegeljustierung über drei Flügelmuttern, Gegendruck
durch Feder. Hauptspiegel ruht auf drei in Höhe justierbaren
Kunstoffauflagepunkten, wird auch seitlich von derartigen drei
(justierbaren) Punkten gestützt. Spiegel gegen Herausfallen mit drei
Halteklammern gesichert, die zur Spiegeloberfäche hin mit Kork
belegt sind.
Sucherbefestigung vorbereitet, Sucherhalterung braucht nur aufgesteckt
und mit Flügelmuttern festgeschraubt werden.
Okularauszug mit Zahnstangentrieb. Langer Fokussierweg, Fokus liegt
ausreichend weit über Tubus, ist problemlos für Foto- oder
CCD-Kamera zugänglich. Fokussierung spielfrei, ausreichend weich und
feinfühlig. Für einen Staubschutzdeckel am Fokussierer hat es
wohl nicht mehr gereicht, im Test wurde dafür ein leeres Filmdoserl
verwendet.
Tubusbefestigung: Frühere Modelle dieses Teleskops wurden
mit Klapprohrschellen geliefert, wie sie auch an den amerikan. Orion
Teleskopen zu finden sind. Leider ist man aus Kostengründen zu
Haltebändern übergegangen, die bessere "Schlauchbinder" sind,
und die Handhabung, speziell bei der (bei Newton Teleskopen
unumgänglichen) Tubusrotation stark beeinträchtigen. Die
Haltebänder und die Tubuswiege sind zwar innen mit einem Gleitbelag
versehen, der die Tubusrotation erleichtern soll, allein die kleine
Erhöhung durch den Falz des Blechrohres, das den Tubus bildet,
erfordert praktisch immer das komplette Lösen und Neuanbringen der
Haltebänder. Zu zweit kann man die Sache eher kontrollieren, allein
ist die Handhabung ein Kampf und Krampf...
Durch die Haltebänder kann der Tubus nicht wirklich steif und
verwindungsfrei gehalten werden, der Tubus entwickelt zu viel Spiel bei
Positionsänderung. Diese Schwäche wird beim Umsetzen des Tubus
von Ost- in Westlage (oder umgekehrt) deutlich. Damit sind die Teilkreise
nicht wirklich verwendbar, und eher als "Zierat" zu betrachten.
Fangspiegel: Durchmesser kleine Achse 38mm (24% Obstruktion).
Kompromiß zwischen fotografischer und visueller Auslegung. Damit
sollte für Kleinbild (24x36) ausreichende Bildausleuchtung (mit
leichter Eckvignettierung) gewährt sein. Für visuelle
Beobachtung ist die Kontrasteinbuße tolerierbar.
Fangspiegel werksseitig nicht richtig ausgerichtet. Radial 1mm zu nah zum
Okularauszug versetzt, achsial nicht unter dem Okularauszug zentriert,
sondern zu weit zum Tubusvorderende versetzt. Fangspiegel ist aber
groß genug, daß Hauptspiegel trotzdem vollständig darin
zu sehen ist, bei visueller Beobachtung keine Vignettierung aufgefallen.
Hauptspiegel: Spiegeldurchmesser 158mm, Dicke 25mm, Brennweite
1200mm. Suprax Glas (Eigenschaften dieser Glassorte dem Autor
unbekannt).
Werksseitige Justierung des Hauptspiegels weitgehend OK, oonnte nicht
genau evaluiert werden, da der Hauptspiegel stark verspannt montiert war,
daher das Beugungsbild eines Sternes dreieckig verzerrt.
Hauptspiegelzelle wurde ausgebaut um diesen Mißstand zu
korrigieren. Hauptspiegel war von den Halteklammern so stark
eingepreßt, daß die Korkplättchen an der Unterseite der
Halteklammern deformiert wurden. Dem Hauptspiegel wurde die
nötige Bewegungsfreiheit gegeben, leichtes Klappern beim
Schütteln des Tubus ist normal, steht sogar im Handbuch
"Grundbegriffe".
Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Halteklammern, die gar zu weit
über den Spiegel hineinragten, etwas nach außen versetzt.
Konkret liegen die Halteklammern direkt an der Spiegelzelle, darüber
ist eine Beilagscheibe, dann die Mutter. Als einfache Änderung wurde
die Scheibe zuunterst gelegt, dann die Halteklammer eingesetzt und die
Mutter aufgeschraubt. Damit fällt der Hauptspiegel noch lange nicht
aus seiner Zelle, aber die Halteklammern machen sich im defokussierten
Beugungsbild nicht mehr so stark bemerkbar.
Spiegelzelle danach wieder eingebaut und Hauptspiegel neu justiert.
Die nicht sachgemäße Montage des Hauptspiegels war auch an
einer weiteren Spiegelzelle dieses Teleskopmodells, die ich gesehen habe,
feststellbar. Das weist darauf hin, daß die Teleskope von
fachunkundigem Personal zusammengebaut werden.
Die starke Verspannung des Hauptspiegels maskiert Fehler der Optik, die
erst jetzt sichtbar wurden.
Als "beugungsbegrenzt" bezeichnet man gemeinhin eine Optik, deren
Wavefrontdeformation bei einer Lichtwellenlänge von 550nm im Fokus
1/4 lambda Peak to Valley nicht übersteigt. Die nachfolgend angegeben
lambda-Werte beziehen sich auf PV-Wavefront Error.
Spiegel weist erstaunlicherweise wenig sphärische Aberration auf,
ist in dieser Hinsicht weit besser als 1/4 lambda, eher als 1/8 lambda
oder besser zu werten. Das ist ein deutlicher Hinweis, daß der
Spiegel parabolisiert ist, ein sphärischer 6.2" Spiegel wäre
bei einem Öffnungsverhältnis von f/7.6 nicht mehr
beugungsbegrenzt.
Hauptspiegel zeigt starken Astigmatismus, in einer
Größenordnung von 1/2 lambda bis eher 3/4 lambda. Der
Astigmatismus wird offenbar nicht durch thermisch bedingte Spannungen im
Glas verursacht, sondern ist im Glas eingeschliffen. Ursache dürfte
die nicht plane Spiegelunterseite sein, sie ist unbearbeitet, eben so wie
der Glasblock vom Guß kommt. Wenn ein Spiegel beim
Schleifen/Polieren nicht absolut plan aufliegt, sondern ein wenig hin- und
herwackeln kann, ist starker Astigmatismus die logische Folge. Dies
dürfte somit ein Serienproblem sein, denn der weitere erwähnte
Spiegel, den ich zu Gesicht bekam, war ebenfalls unten nicht
plangeschliffen. Fatalerweise bleibt der Astigmatismus im bei der
Spiegelherstellung meist verwendeten Foucault-Test möglicherweise
unentdeckt.
Zur Diagnose des Astigmatismus wurde der Hauptspiegel komplett ausgebaut,
seine Auflage gründlich überprüft, wieder eingebaut und
neu justiert. Beim Startest (zenitnaher Stern) wurden die Achsen des
Astigmatismus intrafokal und extrafokal notiert. Danach wurde die
Spiegelzelle ausgebaut und um 120°
versetzt wieder eingebaut, der Spiegel neu justiert. Die Achsen des
Astigmatismus sind der Drehung gefolgt, somit ist der Verursacher des
Astigmatismus klar der Hauptspiegel.
Im Test am Stern wurden weiters leichte Anzeichen von Turned Edge
beobachtet. Turned Edge kann eventuell ebenfalls Folge eines beim
Polieren nicht plan aufliegenden Spiegels sein.
Unter Turned Edge versteht man einen Zonenfehler am äußersten
Rand des Spiegels. Normalerweise hat Turned Edge folgende Ursachen: Wenn
die beim Polieren verwendete "Pitch Lap" zu weich ist, entsteht die
abgeflachte Kante in einer breiteren Zone mit eher flachem Verlauf. Diese
Art von Turned Edge findet man bisweilen an von Amateuren hergestellten
Spiegeln. Kommerziell gefertigte Spiegel werden mit einer steiferen
"Pitch Lap" poliert, dadurch sollte der Fehler gar nicht auftreten. Die
Poliermaschinen können aber übermäßigen Druck
ausüben, wodurch Turned Edge in einer sehr schmalen Zone mit steilem
Verlauf entstehen kann. Diese Zone trägt somit nichts mehr zur
Bildentstehung bei, sondern streut Licht in einen weiten Bereich um ein
helles Objekt. Wenn dieser Fehler arg ist, aber davon nur eine schmale
Zone betroffen ist, kann dieser Spiegelbereich eventuell maskiert werden,
der geringfügige Verlust an Öffnung wird mehr als aufgewogen
durch bessere Abbildung.
Fallweise bei Spiegeln dieses Modells beobachtete Veränderung der
Spiegeloberfläche (sieht aus wie Taubeschlag, wahrscheinlich ein
Problem mit der Beschichtung) trat beim Testgerät nicht auf.
Sucher: Die Sucherhalterung ist brauchbar, der Sucher wird in
zwei Ringen mit je 3 Schrauben gehalten.
Sucher wird am Objektivende fokussiert (Überwurfring lockern,
Taukappe mit Objektiv drehen, Überwurfring festziehen). Es gibt
relativ viele Sucher, die so zu fokussieren sind, dies ist aber so
manchem Amateur nicht bekannt, der resignierend meint, sein Sucher sei
nicht scharfzustellen. Tatsache ist, daß die Fokussierung am
Objektivende oft nicht beschrieben ist. Im Handbuch steht z.B.: "...
regulieren Sie das Okular oder das Objektiv so lange, bis Sie ein
scharfes Bild erhalten". Durch Drehen des Okulars schraubt man dieses
allerdings nur locker...
Bildqualität des Suchers ist unbrauchbar. Nur im Zentrum ist das
Bild scharf, zum Rand hin nimmt die Unschärfe dramatisch zu. Damit
eignet sich der Sucher nur zum Anvisieren von Objekten wie Mond, helle
Planeten, helle Sterne.
Ursache der schlechten Bildqualität ist eindeutig das Okular. Ein
probehalber ohne 1.25" Fassung notdürftig eingeschraubtes 15mm
Baader Okular ergab randscharfe Abbildung (Sucher wurde dabei als 8x30
betrieben).
Im Test wurde schließlich ein guter 7x50 Sucher notdürftig
befestigt. Die Balance war durch leichtes Verschieben des Tubus in den
Halteringen problemlos wieder herzustellen.
Okulare: Beide Okulare sind mit Filtergewinde ausgerüstet. Die Okulare sind prinzipiell akzeptabel, wie üblich weisen Kellner Okulare innere Reflexionen auf. Die Bildqualität war mit 5-linsigen Baader Okularen ähnlicher Brennweite jedenfalls besser.
Bildqualität bei der Beobachtung: Der Testzeitraum August
ist eine Zeit, in der die Nachttemperaturen schon etwas absinken. Dies
stellt ein Teleskop bereits ein wenig auf die Probe. Diesbezüglich
zeigte der Konus Newton keine Schwäche. Tubusturbulenzen wurden
nicht beobachtet, der Spiegel hat jedenfalls genug Abstand zur
Tubusinnenseite. Durch die gut belüftete Spiegelzelle (bei
abgenommener Abdeckung) ist rasches Temperieren des Spiegels auf
Umgebungstemperatur gewährleistet.
Abgesehen von lambda/zigstel Werten sollte ein braver Sechszoll Newton
gute Bilder bis jenseits von 200x liefern, und auch noch bei 300x eine
akzeptable Bilddefinition bieten. Das schafft eine Optik, die gerade noch
als "beugungsbegrenzt" gelten kann. Was zeigt der Konus?
Durch die unsachgemäßen Montage des Spiegels war die
Bildqualität mit dem mitgelieferten K25 Okular (48x) noch OK (Mond),
mit dem K9 Okular (133x) war jedoch schon leichte Unschärfe
bemerkbar. Nachdem dieser Fehler behoben war, lieferte die Optik bis 130x
gute Bilder. Wer sich auf Beobachtungen mit den mitgelieferten Okularen
beschränkt, wird kaum etwas merken.
Auffallend war, daß bei 160x die Qualität schon
nachließ, bei 240x schon zu deutlich abrutschte. Im
Deepsky-Bereich, z.B. Beobachtung des Kugelsternhaufen M13,
ermöglicht die Bildqualität bei 240x zwar, den Haufen
aufzulösen, die Sterne können aber nicht auf feine Punkte
fokussiert werden, das bedeutet auch Verlust an erreichbarer
Grenzgröße.
Jupiter war bei 130x in einer Nacht mit exzellentem Seeing noch gut und
scharf zu sehen, die Optik zeigte mühelos den GRF, etliche
Wolkenbänder, Fahnen etc. - erstaunlich, bei dieser
Vergrößerung. Das ist eine Konsequenz daraus, daß die
Optik nicht an sphärischer Aberration leidet, dieser Fehler
würde schon bei mittleren Vergrößerungen die
Bildqualität beeinträchtigen.
Bei 160x wurde der Kontrast weich, gerade noch tolerierbar, bei 240x war
die Bildqualität nicht mehr ausreichend, eindeutig zu weich. Gerade
der Bereich von 200x bis gegen 240x ist bei Sechszöllern ideal
für Planetenbeobachtung, hier schlägt der Astigmatismus des
Spiegels zu, der sich ab 160x deutlich bemerkbar macht.
Um helle Objekte war starkes Streulicht zu beobachten, das wohl seine
Ursachen hauptsächlich in der zu glänzenden Tubusinnenlackierung
hat, andererseits trägt auch Turned Edge dazu bei. Dies machte sich
bei niedriger Vergrößerung schon bemerkbar. Die Bilddefinition
bei Planetenbeobachtung selbst (130x) war davon wenig
beeinträchtigt. Schwierigkeiten bereiten schwache Objekte in
unmittelbarer Nähe von hellen Objekten, wie Sterne neben dem hellen
Mondrand, schwache Monde neben einem Planeten, Doppelsterne mit starkem Helligkeitsunterschied.
Sternfelder in der Milchstraße oder z.B. den doppelten Sternhaufen
h+X im Perseus zeigte die Optik tadellos.
Zusammen mit einem 22mm Panoptic Okular war scharfe Abbildung über
das gesamte Blickfeld gegeben. Man muß es aber umgekehrt
formulieren: dieses Okular macht an jedem Fernrohr gute Figur.
Dieses Teleskop ist problematisch. Allein der scheinbar
serienmäßig verspannte Hauptspiegel ist Grund genug, diese
Aussage zu rechtfertigen. Typischerweise sind Käufer dieses
Teleskops nicht erfahrene Amateure, sondern Einsteiger. Die meisten davon
würden schon zurückschrecken, nur den Deckel am hinteren
Tubusende abzunehmen, geschweige denn, an Justierschrauben zu drehen oder
gar die Hauptspiegelzelle auszubauen und daran herumzubasteln.
Prinzipiell ist dieses Problem aber lösbar. Schließlich
muß es doch möglich sein, beim Hersteller diesen Fehler
geltend zu machen, es kann doch nicht mehr kosten, ob jetzt der Spiegel
in seiner Halterung grauenvoll eingespannt ist, oder die notwendige
minimale Bewegungsfreiheit hat. Wenn alle Stricke reißen, kann
diese "Service"-Arbeit vielleicht vom Verkäufer erledigt werden, was
im typischen Fotohandel auch fraglich ist. Die Optik ist danach jedenfalls
neu zu Justieren.
Der starke Astigmatismus schließlich ist dafür verantwortlich,
daß die Optik als nicht beugungsbegrenzt
bezeichnet werden muß. Schade! Ohne diesen Fehler, der scheinbar
zur "Serienausstattung" gehört, hätte dieser 6" Konus Newton
eine durchaus brauchbare Abbildungsleistung. So aber kann man das
Teleskop nur bis etwa 1mm Austrittspupille betreiben (160x), damit nur
die untere Hälfte des Vergrößerungsbereiches nutzen, den
ein braver Sechszöller kann (Optik sollte bis 300x akzeptable Bilder
liefern).
Es wäre durch Tests weiterer Spiegel zu prüfen, ob der
Astigmatismus wirklich ein "Serienproblem" ist, dann sollte der Fehler
beim Hersteller geltend gemacht werden, dieser Fehler in der Herstellung
der Spiegel ist vermeidbar. Weiters wäre festzustellen, ob die
geringe sphärische Aberration ein "Ausreißer" im positiven
Sinn ist, oder ob andere Spiegel diesbezüglich ähnlich gute Werte zeigen.
Weitere Kritikpunkte, mit denen man aber leben kann, bzw. theoretisch
selbst Verbesserungen erzielen:
Tubusinnenlackierung: Reflektiert zu stark bei streifendem Licht.
Selbsthilfe hier würde aber bedeuten, den Tubus bis auf das nackte
Rohr zu demontieren, den Tubus innen zu bearbeiten/lackieren, danach
muß wieder alles eingebaut und justiert werden. Das kann einem
Anfänger nicht wirklich zugemutet werden.
Rohrschellen: Die gelieferten Haltebänder sind eine nur sehr
notdürftige Lösung. Es muß doch möglich sein, die
Geräte wie früher wieder mit Rohrschellen zu liefern, auch wenn
sich dadurch der Preis ein wenig erhöht. Wenn dies durch den
Generalimporteur nicht möglich ist, müssen doch die
Rohrschellen irgendwo beziehbar sein, ein rühriger Verkäufer
könnte diesen Service bieten. Allerdings kann sich ein
basteltüchtiger Amateur auch selbst helfen, brauchbare Rohrschellen
lassen sich ohne weiteres aus Sperrholz herstellen.
Montierung: Hauptproblem der Stabilität ist der Polblock. Hier hilft
nur eine Konstruktionsänderung, die wohl vom Hersteller nicht zu
erwarten ist. Rein theoretisch wäre es einem feinmechanisch
erfahrenen Amateur möglich, notwendige Detailverbesserungen
anzubringen. Prinzipiell kann man damit aber leben, eine für
visuelle Zwecke brauchbare Nachführung sollte mit dem als
Zubehör erhältlichen Schrittmotor möglich sein, was die
Beobachtung wesentlich erleichtert und angenehmer macht.
Beim Hersteller müßten einige Punkte eingebracht werden, wenn
sie beachtet werden, könnte aus dem Konus Gerät bei moderaten
Mehrkosten ein wirklich braves Einsteigerteleskop werden. Vermutlich aber
ist bei einem Massenprodukt wie diesem mit dem
Generalimporteur/Hersteller nicht zu verhandeln. Einen Versuch sollte es
trotzdem wert sein. Andernfalls bleibt bei seriösen Erwartungen nur die Warnung: Hände weg! Melone!
Zum Stichwort "Melone" sei noch angemerkt: Es gibt kommerziell gefertigte
Schmidt-Cassegrain Teleskope, die auch nur bis etwa 1mm Austrittspupille
brauchbare Bilder liefern. Ursache ist hier meist eine starke
sphärische Aberration. Egal, so ein Teleskop, sei es ein 12", das
gute 100.000 Schilling kostet, ist nicht feiner zu betiteln. Nur, die 1mm
Austrittspupille bedeuten hier 300-fache Vergrößerung, und
höher kann man (seeingbedingt) ohnedies höchst selten gehen. Es
fällt einem durchschnittlich erfahrenen Beobachter
möglicherweise gar nicht auf, daß er eine ziemliche "Frucht"
von Optik hat. Wenn doch: erstens hätte es in dieser Preisklasse
Teleskope mit besserer Optik gegeben, zweitens lassen sich hier vielleicht
eher Qualitätsansprüche geltend machen.
Anders liegt der Fall bei einem Einsteiger, der, noch etwas unsicher,
nicht gleich eine Menge Geld ausgeben will oder kann: Was kann der
weniger brauchen, als ein nicht taugliches Teleskop, wenn er sowieso
schon Mühe hat beim Suchen und Beobachten der Objekte? Ein Recht auf
eine brauchbare Optik hat auch der Käufer eines Einsteigerteleskops.
Für das getestete Modell kann aufgrund der beschriebenen
Mängel, die keine konsistente Qualität der Optik zulassen,
keine Empfehlung ausgesprochen werden.
Wolfgang "Howdii" Howurek, 01.09.98